Reisebericht Istanbul

reisebericht-istanbul-weltreisen-09

Freitag, 28.März 2014

Wir beginnen mit der Erkundung von Istanbul. Zunächst geht es zum ehemaligen Hippodrom.
Das Hippodrom war die Pferderennbahn im antiken Konstantinopel. Es war das sportliche und soziale Zentrum der Hauptstadt des Byzantinischen Reiches. An derselben Stelle liegt heute in der türkischen Stadt Istanbul der Sultanahmet-Platz (türkisch Sultanahmet Meydanı; osmanisch ‏ات ميداني‎ At Meydanı), auf dem nur noch wenige Elemente der historischen Anlage zu sehen sind.
Das erste Hippodrom wurde zu einer Zeit gebaut, als die Stadt unter dem Namen Byzantion, lateinisch Byzantium, noch eine mittelmäßig wichtige Stadt in der römischen Provinz Thracia war. Nach der Zerstörung im Verlaufe des Bürgerkrieges gegen seinen Thronrivalen Pescennius Niger im Jahre 195 baute der römische Kaiser Septimius Severus Byzantium wenig später wieder auf, erweiterte den Umfang der Mauern und stattete die Stadt mit einer Arena für Wagenrennen aus, deren Vollendung in das Jahr 203 gesetzt wird.
324 beschloss Kaiser Konstantin I., den Regierungssitz von Rom nach Byzantium zu verlegen, das er in Constantinopolis, „Stadt Konstantins“, umbenannte; die offizielle Einweihung fand am 11. Mai 330 statt. Unter Konstantin erfuhr „seine“ Stadt eine bedeutende Erweiterung ihres Areals und wurde mit einigen neuen Bauten versehen, wozu auch der Neubau der Pferderennbahn gehörte. Konstantins Hippodrom besaß eine Länge von 429 Metern und eine Weite von 119 Metern und bot Platz für etwa 100.000 Zuschauer. Es lag entsprechend dem Vorbild des Circus Maximus in Rom in unmittelbarer Nähe des kaiserlichen Palasts, damit der Herrscher bequem den Veranstaltungen beiwohnen konnte.
Die Rennbahn hatte die Form eines langgestreckten U; die Tribüne des Kaisers, das Kathisma, auf deren Dach möglicherweise eine bronzene Kaiserstatue in einer Quadriga thronte, befand sich ungefähr in der Mitte der östlichen Seite. Die Quadriga wurde im Jahre 1204 während des vierten Kreuzzugs von den Venezianern als Kriegsbeute entführt und ihre Pferde stehen heute als Kopie auf dem Markusdom in Venedig, während sich die aus Kupfer gefertigten Originale im Museo di S. Marco befinden. Die Rennbahn war mit zahlreichen weiteren Bronzewerken geschmückt, die zum größten Teil auf der Mittellinie, dem Euripos, lateinisch spina, standen: Sie zeigten nicht nur berühmte Pferde und Wagenlenker, sondern auch diverse mythologische Szenen und einen Herakles im Löwenkampf. Nur eine von ihnen ist erhalten, die Schlangensäule, die aus Delphi nach Konstantinopel verbracht worden war.
In der Zeit des Oströmischen Reiches war das Hippodrom das soziale Zentrum der Stadt. Große Geldmengen wurden bei den Pferderennen verwettet und die Stadt war in Lager aufgespalten, welche jeweils die Zirkusparteien der Blauen, Grünen, Roten oder Weißen bejubelten; allerdings verloren die beiden letztgenannten Mannschaften mit der Zeit an Bedeutung und gingen in der Anhängerschaft der Blauen und Grünen auf. Der Konkurrenzkampf dieser beiden letztgenannten Parteien und ihrer Unterstützer vermischte sich oft mit politischen und religiösen Rivalitäten, die teilweise zum Aufruhr führten oder sich sogar zu Bürgerkriegen entwickelten. Am ernsthaftesten war der Nika-Aufstand von 532, dem angeblich bis zu 30.000 Menschen zum Opfer fielen: In seinem Verlauf artikulierten die Zuschauer lautstark ihre Gegnerschaft zu Kaiser Justinian I. (527-565) und wählten einen Gegenkaiser, doch konnten loyale Truppen unter dem Feldherrn Belisar den Aufstand schließlich unterdrücken.
Konstantinopel erholte sich nie von den Auswirkungen des Vierten Kreuzzugs. Obwohl das Oströmische Reich noch bis 1453 bestand, wurde das Hippodrom nicht weiter benutzt, sondern verfiel. Die Osmanen, die Konstantinopel 1453 eroberten und es zur Hauptstadt ihres Reiches machten, zeigten kein Interesse an Pferderennen; infolgedessen geriet das Hippodrom langsam in Vergessenheit. Allerdings wurde es nie in bedeutendem Maße überbaut, sein Platz aber immer wieder für Feierlichkeiten benutzt, die zum Teil bildlich dokumentiert sind. Heute stehen noch Reste der Sphendone, des im Süden gelegenen Halbrundes in Gestalt der ihrer steinernen Außenverkleidung beraubten Innenkonstruktion aus Ziegelmauerwerk.
Um seine neue Residenzstadt in ein entsprechendes Licht zu setzen, brachte Konstantin aus allen Teilen des Reiches, vor allem aber aus dem Osten, Kunstwerke nach Konstantinopel. Darunter befand sich der Rest des Opferaltars von Plataiai, der zur Feier des Sieges der Griechen über die Perser in der Schlacht von Plataiai im Jahre 479 v. Chr. angefertigt worden war. Das Kunstwerk wurde aus dem Tempel des Apollon in Delphi entfernt und in der Mitte des Hippodroms wieder aufgestellt. Der größte Teil wurde während des vierten Kreuzzugs zerstört, einzig verbliebener Rest ist ein Teil der Basis, eine Säule in geschlungener Form, die Schlangensäule.

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Ein weiterer Kaiser, der das Hippodrom mit Kunstschätzen ausstattete, war Theodosius I. (379-395). Er ließ einen Obelisken aus Ägypten nach Konstantinopel bringen und im Jahre 390 in der Mitte der Rennbahn aufrichten. Der Obelisk aus rosafarbenem Granit stand ursprünglich im Tempel von Karnak in Luxor und wurde während der Regierungszeit Thutmosis III. um 1490 v. Chr. errichtet. Der Obelisk ist heute nur noch 19,59 Meter hoch. Noch vor dem Aufrichten zerbrach er nämlich, was eine Planänderung erforderte. Ursprünglich war er mehr als 32 Meter hoch, so groß wie der Obelisk, der heute in Rom vor dem Lateran-Palast steht. Der Obelisk steht auf einem marmornen Sockel, der nach dem Zerbrechen neu angefertigt und auf den ursprünglichen Sockel gestellt wurde. Das Denkmal befindet sich auch nach 3500 Jahren noch in einem erstaunlich guten Zustand.
Der untere Marmorsockel trägt die Bauinschrift des Stadtpräfekten Proc(u)lus in einer kürzeren griechischen und einer längeren lateinischen Version: Während der erstgenannte Text von einer Zeit von 32 Tagen für die Aufrichtung spricht, fügt der zweite noch die Niederwerfung eines Gegenkaisers als Grund für die Aufstellung des Obelisken als Siegesmal hinzu; damit ist der Sieg über Magnus Maximus in Italien im Jahre 388 gemeint. Die vier Reliefs der oberen Basis zeigen Geschehnisse am Kaiserhof, die zum Ruhme des Theodosius und seiner Familie dienen: Der Kaiser und seine Söhne Arcadius und Honorius verfolgen mit Würdenträgern, Soldaten ihrer Leibgarde und Dienern die Veranstaltungen, wobei die Hauptpersonen in der kaiserlichen Tribüne sitzen. Am propagandistisch wichtigsten ist das nordwestliche Relief, das die Darbringung von Geschenken durch zwei Delegationen auswärtiger Völker darstellt, der Perser links und Germanen rechts, wohl der Westgoten; hier sitzt in der Kaiserloge auch die Gattin des Theodosius, Galla. Auf der nordöstlichen Seite des unteren Sockels wurde die Szene von der Aufstellung des Obelisken eingemeißelt. Besonders interessant sind die Abbildungen von technischen Objekten wie Winden, Seilen und einer Art „Rutschbahn“, auf der der Obelisk zum Ort der Aufstellung bewegt wurde. Der Obelisk wurde aufgerichtet, indem man ihn am schlanken Ende anhob und um Stützkörper unter seiner Basis drehte. Das gegenüberstehende Relief zeigt dagegen ein Pferderennen.
Der Rest der bronzenen Schlangensäule ist ebenfalls vor Ort erhalten. Diese Säule war ursprünglich von 31 griechischen Städten zur Erinnerung an die Schlacht von Plataiai direkt vor dem Apollotempel von Delphi aufgestellt worden: Es handelt sich um eine Säule aus drei ineinander verschlungenen Schlangen, deren Köpfe einst einen Dreifuß trugen, ein Symbol des Kultes des Apollo. Konstantin I. ließ das Denkmal vermutlich 330 nach Konstantinopel bringen. Der Dreifuß mit seiner goldenen Schale wurde während des Vierten Kreuzzuges geraubt und ist seitdem verschollen. Die Köpfe der Schlangen wurden abgeschlagen oder sind abgefallen, doch einer von ihnen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts an der Stelle des Janitscharen-Zeughauses gefunden. Er ist im Archäologischen Museum Istanbuls ausgestellt.
Bevor der ägyptische Obelisk Konstantinopel erreichte, stand dort schon der aus Steinen aufgemauerte Obelisk. Dieser war ursprünglich mit goldenen Platten verkleidet, die während des Vierten Kreuzzugs ebenfalls gestohlen wurden. Der Steinkern steht als südlichstes Monument auf dem Platz des Hippodroms.
Der heutige Sultan-Ahmet-Platz liegt etwa zwei Meter höher als die einstige Rennbahn. Die zuvor beschriebenen verbliebenen Monumente ragen aus Vertiefungen in der parkähnlichen Anlage hervor.
Das Hippodrom war nie Objekt systematischer archäologischer Ausgrabungen, doch fanden einige sporadische im 20. Jahrhundert unter britischer und deutscher Leitung statt. Ein Teil der Nordkurve wurde in den 1980er Jahren freigelegt, als darüber erbaute Häuser abgerissen wurden.
Am nördlichen Ende des Platzes befindet sich der Deutsche Brunnen (Alman Çeşmesi) oder Kaiser-Wilhelm-Brunnen, ein achteckiger, überdachter Brunnen im Stil einer mit Elementen der Ausstattung der Hagia Sophia vermischten Neurenaissance. Er wurde im Auftrag der deutschen Regierung zum Andenken an den zweiten Besuch Kaiser Wilhelms II. in Konstantinopel im Jahre 1898 aus in Deutschland gefertigten Teilen errichtet, die zu Schiff dorthin gebracht worden waren; am 27. Januar 1901, dem Geburtstag des Kaisers, wurde er eingeweiht.
Der Brunnen wurde im Jahre 1900 im Andenken an den Besuch des deutschen Kaisers Wilhelm II. in Istanbul im Jahre 1898 errichtet. Er wurde in Deutschland hergestellt und in einzelnen Teilen nach Istanbul verschickt, um dort an seinem heutigen Ort zusammengesetzt zu werden. Die neobyzantinische achteckige Kuppel wird von acht Marmorsäulen getragen. Das Innere der Kuppel ist mit goldenen Mosaiken versehen.
Während seiner Regierungszeit stattete Wilhelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen, mehreren Ländern Europas und des nahen Ostens einen Besuch ab. Seine Reise begann am 18. Oktober 1898 in Istanbul, der Hauptstadt des Osmanischen Reichs unter Sultan Abdülhamid II.. Zur Erinnerung an den Besuch gab die deutsche Reichsregierung den Bau des Brunnens in Auftrag. Am Entwurf und Bau des Brunnens waren die deutschen Architekten Max Spitta, Schoele und Carlitzik sowie der Italiener Joseph Anthony beteiligt.
Nach einer osmanischen Inschrift am Brunnen begann die Konstruktion des Brunnens im islamischen Jahr 1319 (1898–1899). Die Einweihung des Brunnens war für den 1. September 1900, dem 25. Jahrestag der Thronbesteigung Abdülhamids II. geplant. Verzögerungen beim Bau hatten zur Folge, dass die Einweihung auf den 27. Januar 1901, den Geburtstag Wilhelms II., verschoben wurde. Bei Reinigungsarbeiten wurden am 5. Februar 2011 Inschriften und Verzierungen am Brunnen
Der neobyzantinische achteckige pavillonartige Brunnenbau besteht aus einer Kuppel, die von acht Säulen aus Porphyr getragen wird, die auf einem marmornen, mit Schnitzereien versehenen Podest aufsetzen. An der südwestlichen Seite des Podests führen acht Stufen hinauf; die restlichen sieben Seiten sind jeweils mit einem Wasserspender aus Messing versehen. Die Kuppel ist mit Kupfer belegt.
Eine am Brunnen angebrachte Bronzetafel trägt folgenden Text: WILHELM II DEUTSCHER KAISER STIFTETE DIESEN BRUNNEN IN DANKBARER ERINNERUNG AN SEINEN BESUCH BEI SEINER MAIESTAET DEM KAISER DER OSMANEN ABDUL HAMID II IM HERBST DES IAHRES 1898. Eine osmanische Inschrift in acht Versen berichtet von der Errichtung des Brunnens zum Andenken an den Besuch des deutschen Kaisers.
Die Innenseite ist mit einem goldenen Mosaik versehen. Acht über den Säulenenden eingearbeitete Medaillons zeigen abwechselnd jeweils viermal die Tughra Abdülhamids II. sowie das Monogramm Wilhelms II.
Das goldene Mosaik im neo-byzantinischen Stil ist eines der bekanntesten Werke des Kirchenmalers, Mosaikgestalters und „Kaiser-Künstlers“ Professor August Oetkens (1868–1951) aus Oldenburg/Oldb.
Doppel-Symbolik
Das Geschenk eines Brunnens mit kostenlosem sauberem Wasser für das Volk galt nach nahöstlicher Mentalität als besonders verdienstvolle Wohltat und sollte den Ruhm des hochherzigen Wohltäters, des Kaisers des Deutschen Reiches, mehren und sichern.
In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die Hagia Sophia.
Die Hagia Sophia (aus dem griechischen Ἁγία Σοφία „heilige Weisheit“, türkisch Ayasofya) oder Sophienkirche ist eine ehemalige byzantinische Kirche, spätere Moschee und heutiges Museum (Ayasofya Camii Müzesi, „Hagia-Sophia-Moschee-Museum“) in Eminönü, einem Stadtteil im europäischen Teil Istanbuls. Als Kuppelbasilika errichtet, setzte sie im 6. Jahrhundert n. Chr. neue architektonische Akzente. Die Hagia Sophia, das letzte große Bauwerk der Spätantike, war die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und religiöser Mittelpunkt der Orthodoxie und ist heute ein Wahrzeichen Istanbuls.
Als Krönungskirche der byzantinischen Kaiser (seit 641), als Kathedrale des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel und Ort wichtiger historischer Geschehnisse ist die Hagia Sophia in besonderer Weise mit der byzantinischen Geschichte verbunden. Ihr Bau und ihre Symbolkraft waren von außerordentlich hoher Bedeutung für die orthodoxe Christenheit und das Reich. Daher gilt sie den meisten Christen noch heute als großes Heiligtum. Mit der Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 durch die Osmanen wurden christliche Insignien, Inneneinrichtung, Dekorationen und Glocken der Hagia Sophia entfernt. Als Hauptmoschee der Osmanen adaptiert, stellten sich die Sultane des 16. und 17. Jahrhunderts mit bedeutenden architektonischen Rezeptionen der Hagia Sophia in die byzantinische Tradition (eine berühmte Rezeption ist die Sultan-Ahmed- oder Blaue Moschee).
Die Hagia Sophia gehört zu den herausragenden Bauwerken der Spätantike und ist das bedeutendste Beispiel für den Bautypus der Kuppelbasilika. Die Kuppelbasilika vereinigt Bauelemente, die weit in die Vergangenheit zurückreichen. Dazu gehören die bereits in römisch-republikanischer Zeit entstandenen Basiliken, als Orte der Versammlung, des Marktes und der Gerichtsbarkeit, sowie die Kuppelbauten römischer Mausoleen wie sie in der Kaiserzeit entstehen.
Das auffallendste Element der Hagia Sophia ist die monumentale Kuppel, die den gesamten Innenraum beherrscht. Sie ruht auf Pendentifs zwischen vier mächtigen Pfeilern. Im Norden und Süden des rechteckigen Zentralbaus wird der Seitenschub von Strebwerk über den Seitenschiffen abgefangen. Im Westen und Osten übernehmen diese Aufgabe Konchen mit Halbkuppeln, deren Widerlager ihrerseits in insgesamt vier kleineren Kuppeln liegt. Über dem Narthex befindet sich die Kaisertribüne und seitlich je eine Galerie für die Frauen (Gynaikeion). Die bauhistorische Bedeutung der Kuppel liegt nicht in ihrer Größe, denn bereits im 1. Jahrhundert nach Christus war es den Römern möglich, noch umfangreichere Kuppeln zu errichten, sondern daran, dass sie erstmals auf nur vier Pfeilern ruht und so gleichsam über dem darunterliegenden Raum schwebt. Der Versuch, die architektonische Herausforderung mit einer extrem flachen Kuppel zu erhöhen, scheiterte an wiederholten heftigen Erdbeben.
Die der Göttlichen Weisheit gewidmete Kirche steht auf einem Rechteck von rund 80 m Länge und 70 m Breite. Die Spannweite der Kuppel beträgt rund 32 m; der Kuppelraum ist vom Fußboden bis zum Kuppelscheitelpunkt 55 m hoch.
Schon unter Kaiser Konstantin I., um 325, wurde mit dem Bau der ersten Kirche begonnen, zunächst vermutlich als Palastaula. Vollendet wurde sie unter Constantius II. Die Kirche hatte keinen Namen, sondern wurde Megálē Ekklēsíā (griechisch: Μεγάλη Ἐκκλησία „Große Kirche“) genannt. Die Nachricht, in ihr hätten zahlreiche wertvolle Kunstwerke gestanden, die von Konstantin zur Ausschmückung seiner neuen Hauptstadt aus dem ganzen Reich nach Konstantinopel geschafft wurden, darunter siebzig griechische Götterstandbilder, die ihres religiösen Sinns entkleidet als Zierstücke dienten, ist legendär und kann sich, wenn sie einen realen Kern hat, nur auf die Zeit der Verwendung als Palastaula beziehen. Diese Kirche brannte im Juni 404 bei einem Aufstand der Anhänger Johannes Chrysostomos‘, des Patriarchen von Konstantinopel, nieder, nachdem dieser auf Betreiben der Kaiserin Eudoxia abgesetzt worden war. Von Theodosius II. am gleichen Ort wieder aufgebaut, wurde dieser zweite Neubau am 15. Januar 532, bald nach Beginn der Herrschaft von Kaiser Justinian I., während des sogenannten Nika-Aufstands erneut niedergebrannt.
Kaum einen Monat nach der Zerstörung, am 23. Februar 532, begann nach Johannes Zonaras der Aufbau einer neuen, mächtigeren Kirche, deren Form Justinian im Traum offenbart worden sein soll. Er wollte eine Kirche stiften, „wie es sie seit Adams Zeiten nicht gegeben hatte und wie es sie niemals wieder geben würde“, zudem wollte er allem Anschein nach die von Anicia Juliana errichtete Polyeuktoskirche übertreffen. Diese war um 520 als Abbild des salomonischen Tempels gebaut und allgemein bewundert worden. Dies scheint den Ehrgeiz Justinians angestachelt zu haben, und er soll 360 Zentner Gold in den Neubau investiert haben. Nach einem Bericht der Zeitschrift „Nature“ waren es 145 Tonnen Gold.
Die Kirche war im spätrömischen Reich seit Konstantin I. keine neben der weltlichen Ordnung bestehende eigenständige Ordnung. Gerade Justinian strebte nach einem engen „Zusammenspiel“ (einer symphonia) von Staat und Kirche; ohne seine Zustimmung durfte keine Kirche neu errichtet oder bei Baufälligkeit instand gesetzt werden. Für die Hagia Sophia fühlte sich Justinian persönlich verantwortlich. Er soll nicht nur täglich die Baustelle besucht, sondern sich – nach Prokopios – auch aktiv an ihrer Planung beteiligt haben.
Die Bauleitung hatten der Architekt Anthemios von Tralleis und der Mathematiker Isidor von Milet inne. Über hundert ihnen unterstellte Vorarbeiter befahlen sie einem Heer von zehntausend Arbeitern. Innerhalb von fast sechs Jahren wurde die Kirche fertiggestellt. Nach dem Tod des Anthemios 534 war Isidor alleine für den Bau verantwortlich. Während der sehr kurzen Bauzeit entstanden wiederholt Risse in den Mauern. Ursache war aus heutiger Sicht vermutlich die nicht ausreichende Austrocknung des Mörtels, der wegen des zu raschen Baufortschritts nicht abbinden konnte und so verhinderte, dass die Mauern parallel zum Baufortschritt eine zunehmende Festigkeit entwickelten. Verstärkt wurde dies noch dadurch, dass zu Justinians Zeiten die Mörtelschichten fast die gleiche Stärke wie die Ziegelschichten bekamen. Justinian selbst soll dieses Problem erkannt und einen Rückbau der noch zu feuchten Wände angeordnet haben, als Mauereinstürze am Nord- und Südbogen drohten.
Am 27. Dezember 537 konnte der Rohbau eingeweiht werden. Der Legende nach konnte der Kaiser bei der Einweihung seiner Erregung nicht Herr werden: Er soll mit seinem Triumphwagen hineingefahren, Gott gedankt und (in Anspielung auf den Tempel in Jerusalem, der noch immer als Maßstab auch für christliche Kultbauten galt, sowie vermutlich auch unter Bezug auf die Polyeuktoskirche) ausgerufen haben:
„Ruhm und Ehre dem Allerhöchsten, der mich für würdig hielt, ein solches Werk zu vollenden. Salomo, ich habe Dich übertroffen.“
Anlässlich des Wiederaufbaus bzw. der Neueinweihung entstand der liturgische Hymnos (Kontakion) „Auf Erdbeben und Feuerbrand“ von Romanos Melodos. Er gilt als bedeutendster byzantinischer Kirchendichter.
Die Hagia Sophia wurde früh als Staatskirche genutzt. Hier fanden alle großen kirchlichen Handlungen unter der zeremoniellen Teilnahme des Kaisers statt. Seit 641 wurden hier fast alle byzantinischen Herrscher gekrönt.
Nach der Besetzung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer 1204 diente das Gotteshaus bis zur byzantinischen Rückeroberung von Konstantinopel 1261 venezianischen Geistlichen als römisch-katholische Kirche, sonst war es bis 1453 dem orthodoxen Ritus geweiht.
Römische Architekten hatten seit Jahrhunderten große Erfahrungen mit dem Bau mächtiger Kuppeln gesammelt. Aus der Befundanalyse dieser Kuppeln wird ersichtlich, dass zumeist der Werkstoff Opus caementitium, der römische Beton, solche Tragkonstruktionen erst möglich gemacht hat. Bei der Hagia Sophia wurde jedoch auf die bewährte Unterstützung mit Beton verzichtet. Der gesamte Bau ist – typisch für Ostrom – mit Ausnahme der Hauptpfeiler in Ziegelbauweise aufgeführt.
Zuerst im August 553 und dann am 7. Mai 558 stürzte die extrem flache Kuppel bei Erdbeben ein, und wurde nach einer Überarbeitung des Bauplans in den Jahren 558–562 von Isidoros von Milet dem Jüngeren in ihre heutige Form gebracht. Isidoros, der Neffe des vorherigen Bauleiters, erhöhte die Wölbung der zu flach geneigten Kuppel und ließ die Strebepfeiler verstärken. Am 24. Dezember 562, noch zu Lebzeiten von Justinian I., konnte die neue Kuppel eingeweiht werden.
Auch später bereiteten Erdbeben Probleme an der Kuppel. Nach dem großen Erdbeben 989, bei dem der westliche Kuppelbogen einstürzte, betraute Kaiser Basileios II. den armenischen Architekten Trdat mit der Rekonstruktion der Kirche. 1346 stürzte der östliche Kuppelbogen nach heftigen Erdstößen ein. Erst danach wurden Stützmauern aus statischen Gründen an der Außenseite der Kirche angebracht; sie veränderten den ursprünglichen optischen Eindruck deutlich.
Heute finden sich in der Kuppel der Hagia Sophia 40 Fenster, jeweils eines zwischen den tragenden Gewölbespanten aus Ziegelsteinen und Mörtel. Heute geht man jedoch meist davon aus, dass die Fenster einer Rissbildung in der Kuppel vorbeugen sollen, indem sie entstehende Risse ins Leere laufen lassen und so die weitere Ausbreitung der Risse mit möglicher Zerstörung der gesamten Kuppel verhindern. Man nimmt an, dass die Baumeister diese Zusammenhänge am Beispiel des Pantheons erkannten und aus diesem Grunde Fensteröffnungen an der besonders gefährdeten Basis der Kuppel einließen.
Wegen ihrer immensen, nahezu schwerelos über dem freien Hauptraum schwebenden Kuppel galt die Hagia Sophia in Spätantike und Mittelalter als achtes Weltwunder. Ein Jahrtausend lang war sie die mit Abstand größte Kirche der Christenheit, mit einer Scheitelhöhe von 55 m und einem Kuppeldurchmesser von ca. 33 m. Über viele Jahrhunderte war das Dach der Kirche vergoldet, dies änderte sich erst mit dem Einmarsch der muslimischen Eroberer.
Da die Region um das Marmarameer weiterhin erdbebengefährdet ist, bestehen heute ernsthafte Befürchtungen für die Kuppel. Die türkische Regierung hat in Zusammenarbeit mit der UNESCO eine Expertenkommission ernannt, die sich diesem Thema widmet.
Mosaik- und Marmorschmuck
Schon zur Zeit der Eroberung Konstantinopels waren nur noch wenige Mosaiken aus der Erbauungszeit erhalten. Wahrscheinlich gab es bis in die Zeit nach dem byzantinischen Bilderstreit (729–843) keine Mosaiken mit menschlichen oder tierischen Darstellungen. Ornamentale Mosaiken blieben in den Seitenräumen und auf der Empore erhalten.
Das Wenige, was nicht während und nach der Transformation zur Moschee vernichtet wurde, ist heute wieder freigelegt. Dazu zählen die besonders wertvollen Mosaiken auf den oberen Galerien, die Kaiser Alexander (912–913), Kaiserin Zoe (1028–1050) mit ihrem Gemahl Konstantin IX. Monomachos, Kaiser Johannes II. Komnenos (1118–1143) mit seiner Gemahlin Irene und ihrem Sohn Alexios († 1142), sowie in Fragmenten Jesus als Weltenrichter (spätes 13./frühes 14. Jahrhundert) zeigen.
Kunsthistorisch bedeutend ist auch die Figurengruppe mit Christus Pantokrator (Weltenherrscher) über der Kaisertüre im inneren Narthex (9. Jahrhundert). Der kniende Kaiser ohne Namensbeischrift wird heute zumeist mit Leon VI. (886–912) identifiziert. Über dem südwestlichen Ausgang dieses Raumes, der Orea Porta, durch die der Kaiser einzog, befindet sich ein weiteres bemerkenswertes Lünettenmosaik. Es zeigt Maria mit dem Kind zusammen mit Kaiser Konstantin, der ihr Konstantinopel und Kaiser Justinian, der ihr die Hagia Sophia reicht. Die ältesten erhaltenen figürlichen Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert befinden sich an der nördlichen Schildwand. Zu sehen sind Johannes Chrysostomos, Ignatius der Jüngere und Ignatius Theophorus von Antiochien. Das Gewölbe ist mit Seraphim an den Pendentifzwickeln geschmückt. Der dazugehörende segnende Pantokrator im Kuppelzenit wurde von den Eroberern zerstört. In der Apsis sind zudem eine Madonna und nicht weit entfernt Reste der Erzengel Gabriel und Michael erhalten.
Einen wichtigen Schlüssel zu den Mosaiken der Hagia Sophia stellen die Zeichnungen der Tessiner Gebrüder Fossati dar, die ab 1847 mit der ersten neuzeitlichen Renovierung und Bestandsaufnahme der Hagia Sophia beschäftigt waren und nach Abnahme der islamischen Tünche den wertvollen Baubestand sichteten. Nach Protesten der Imame wurden die Mosaiken kurze Zeit später wieder zugetüncht. Wie sich bei der späteren Neuaufdeckung zeigte, waren zwischenzeitlich weitere Mosaike beschädigt worden und einige sogar vollkommen ausgetilgt.[
Die bis zum Gewölbeansatz mit Marmor- und Porphyrplatten verkleideten Wände wurden so angebracht, dass sich ihre Musterung spiegelbildlich verdoppelte. Der Fußboden ist mit Platten aus prokonnesischem Marmor belegt. Vor dem zweiten Pfeiler der rechten Seite befindet sich das rechteckige Omphalion aus schwarzen, grünen und roten Marmorscheiben, das den Platz kennzeichnet, den der Kaiser während der Liturgie einnahm.
Für neun Glocken, die der venezianische Doge Ursus Patricianus der Hagia Sophia im Jahre 865 stiftete, wurde vermutlich ein Glockenturm an der Westfassade errichtet. Es gibt auch Quellen, die von zwölf gestifteten Glocken berichten. Der kleine Glockenturm auf der Westfassade wurde vermutlich erst in der Zeit der Kreuzfahrer errichtet und blieb bis in das 18. Jahrhundert erhalten. Zum orthodoxen Messritus der Kirche gehörte es, dass während des Gottesdienstes die Glocken spielten. Im Jahr 1453, als die Türken zum letzten erfolgreichen Angriff auf Konstantinopel ansetzten, ließ der letzte oströmische Kaiser Konstantin XI. die goldenen Glocken Sturm läuten. Das Läutwerk wurde von den türkischen Eroberern vollständig zerstört. In einem bekannten griechischen Klagelied von der Einnahme Konstantinopels durch die Türken wird von 300 Glöckchen und 62 Glocken berichtet, welche die Hagia Sophia zuletzt besessen haben soll.
Um eine Zerstörung Konstantinopels zu verhindern, hatte Sultan Mehmed II. die freiwillige Übergabe durch Übereinkunft (ṣulḥan) angestrebt, doch eine Kapitulationsaufforderung an Kaiser Konstantin XI. war ohne Erfolg geblieben. Am 27. Mai 1453 ließ der Sultan schließlich seinen Truppen verkünden, dass die nun durch Gewalt (ʿanwatan) zu erobernde Stadt drei Tage lang zur Plünderung offenstünde. Am gleichen Tag fand der letzte Gottesdienst in der Kathedrale statt, den Orthodoxe und katholische Priester gemeinsam feierten. Als die Stadt am 29. Mai 1453 fiel, wurde die Kirche von den Stürmern geplündert und das in die Hagia Sophia geflüchtete Volk teils geschändet, teils getötet und größtenteils versklavt. Bereits am Nachmittag wurde zum Gebet aufgerufen, das der Sultan auf dem Altar verrichtete. Dass er zu Pferde in die Hagia Sophia eingeritten sein soll, bezeichnet Joseph von Hammer-Purgstall mit Bezug auf den zeitgenössischen Historiker Dukas als „Mährchen[] europäischer Geschichtschr[eiber]“. Am folgenden Tag besichtigte Mehmed II. die Stadt. Der osmanische Chronist Tursun Bey, der die Eroberung Konstantinopels miterlebte, schildert in seiner ‏تاريخ ابو الفتح‎ / Tārīḫ-i Ebū ʾl-Fetḥ / ‚Geschichte des Vaters der Eroberung‘, wie der Sultan auf die Kuppel der Hagia Sophia stieg und von dort aus voller Bedauern auf die verfallenen und in Ruinen liegenden Neben- und Anbauten blickte.
In den darauffolgenden Jahren wurde die Transformation abgeschlossen. Glocken, Altar und die liturgische Ausstattung wurden zerstört oder verschleppt. Nur eine Glocke scheint die Zeitläufe in einem osmanischen Waffenmuseum überdauert zu haben. Christliche Insignien wurden teilweise durch muslimische ersetzt, die Ikonen entfernt, Mosaike und Wandgemälde teilweise zerstört,[3] übertüncht oder unter Putz gelegt, Kreuze gegen den Halbmond ausgetauscht. Im Inneren der Kirche wurden die für eine Nutzung als Moschee notwendigen Bauteile eingefügt sowie der Fußboden mit Teppichen ausgelegt. Der nördliche Hauptpfeiler wurde später mit einer Sultansloge versehen.
Der äußere Eindruck der Kirche wurde vor allem dadurch verändert, dass bereits 1453 ein Minarett an den Flanken der Kirche erbaut wurde. Zwei weitere kamen in den folgenden Jahrzehnten hinzu, die beiden ältesten wurden 1573 abgebrochen und durch neue ersetzt, so dass das Gebäude heute von vier Minaretten umgeben ist. 1574 wurde das Baptisterium zum Grab für Selim II. umgewandelt.
Heutiger Aufbau und Ausstattung
Die islamische Übertünchung der vier Engelsgesichter in den Pendentifs wurde an einem Beispiel im Zuge der Ernennung Istanbuls zur Kulturhauptstadt 2010 rückgängig gemacht.
Auf Anregung Atatürks, des ersten Präsidenten der Republik Türkei, beschloss der Ministerrat am 24. November 1934, die Moschee in ein Museum umzuwandeln. So wurde die gesamte Geschichte des Bauwerks sichtbar und die Kontinuität als religiös genutzte Stätte deutlich. Die bau- und kunstgeschichtlich letzte Zäsur an der Hagia Sophia von 1453 wird in der heutigen Darstellung in den Kontext ihrer gesamten Geschichte eingebettet. Bei der Bemühung, den ursprünglichen Kirchenraum wieder weitgehend erlebbar zu machen, achtete man dennoch darauf, die späteren muslimischen Einbauten nicht zu zerstören, wobei in einigen Punkten Kompromisse aufgrund von Protesten aus der Bevölkerung gemacht werden mussten.
Vor dem Eingang in die Kirche sind noch einige Fundamente des Baus aus dem 5. Jahrhundert und des Glockenturms des Lateinischen Reiches (13. Jahrhundert) zu sehen. Die Grundfläche des Gebäudes bildet ein Rechteck von etwa 70×75 Metern. Die Kirche hatte zwei Vorhallen im Westen, den Narthex und den äußeren Exonarthex. In diesem sind noch einige nichtfigürliche Mosaiken aus Justinians Zeit erhalten. Fünf – inzwischen bis auf eins vermauerte – Tore führten aus dem Atrium in diese Halle, fünf weitere von hier in den Narthex. Über dem mittleren der Tore findet man ein Mosaik aus dem 10. Jahrhundert, das die Kaiser Konstantin und Justinian zeigt, die der thronenden Maria mit dem Christuskind eine Stadt (Konstantinopel) und eine Kirche (die Hagia Sophia) darbringen. Das beeindruckendste Mosaik des Narthex zeigt den Thronenden Christus über dem Kaisertor, dem mittleren der neun Eingänge in das Hauptschiff. Dieses war allein dem Herrscher vorbehalten, sein Türrahmen ist aus Bronze.
Der Hauptraum wird durch die 31 Meter durchmessende und 56 Meter hohe Kuppel beherrscht. Die Grundfläche beträgt 7570 m², was etwa der eines Fußballfeldes entspricht. Hinzu kommen im Westen und Osten kleinere Halbkuppeln und weitere muschelförmige Kuppeln. In den Pendentifs sind sechsflügelige Engel dargestellt. Die Apsis hat Mosaiken aus dem 9. Jahrhundert: eine thronende Muttergottes mit Kind, rechts davon den Erzengel Gabriel, links Michael, ihre Buntglasfenster sind eine Zutat des 19. Jahrhunderts und entstanden während der Restaurierungsarbeiten in den Jahren 1847–49.
Die Hauptkuppel, die Halbkuppeln, die Gewölbe des Narthex, die Seitenschiffe und die Emporen – eine Fläche von über 10.000 m² – waren ursprünglich mit goldgrundierten Mosaiken bedeckt. Im Süden steht der Mihrab, im Mittelschiff rechts vor der Apsis der Minbar, links die Sultansloge aus dem 18. Jahrhundert.
Für die prachtvollen antiken Verkleidungen der Säulen und Wände wurden seltene Marmorintarsien aus allen Teilen des Römischen Reiches verwendet.
Auf den Emporen, die bei den Byzantinern wie den Türken den Frauen vorbehalten waren, sind noch Reste der alten Mosaizierung erhalten: Auf der Nordempore das Bild Kaiser Alexanders (912–913), auf der Südgalerie ein Mosaik mit Kaiserin Zoe und ihrem Gemahl Konstantin IX., daneben ein Mosaik des Kaisers Johannes II. Komnenos mit Kaiserin Irene und ihrem Sohn Alexios, die der Gottesmutter samt Kind Gaben reichen. Das prachtvollste Mosaik ist ein Andachtsbild, eine Deesis, aus dem 14. Jahrhundert, das Jesus mit Maria und Johannes dem Täufer zeigt. Der untere Teil mit den ehemals wohl vorhandenen Stifterfiguren ist zerstört, die Gesichter blieben jedoch erhalten.
Von der Empore hat man einen guten Blick auf die an den Hauptpfeilern angebrachten, 7,5 Meter durchmessenden, hölzernen Rundschilden. Auf ihnen stehen in arabischer Kalligraphie die Namen von Allah, des Propheten Muhammad, der vier „rechtgeleiteten“ Kalifen Abu Bakr, Umar, Uthman und Ali sowie die Namen der beiden Enkel des Propheten Hassan und Hussain. Die Schilde gestaltete der Kalligraphie-Künstler Kazasker Mustafa İzzed Effendi (1801–1877) zwischen 1847 und 1849. Damals waren die Schweizer Architekten Gaspare und Giuseppe Fossati mit der ersten bauwissenschaftlich begleiteten Restaurierung des Bauwerks beauftragt worden. Die überdimensionalen Schilde ersetzten damals acht rechteckige Tafeln und sind wohl auf einen besonderen Wunsch des regierenden Sultans Abdülmecid I. zurückzuführen. Nach dem Umbau der Hagia Sophia zum Museum wurden viele unhistorische Zutaten, darunter die Schilde, entfernt. Aufgrund von Protesten seitens der Imame wurden sie jedoch wieder angebracht.
Die Hagia Sophia erhielt schon sehr früh vier Minarette. Das kannelierte Minarett ließ Sultan Bayezıd II. (1481–1512) errichten. 1573, unter Sultan Selim II., wurden die zwei ältesten Minarette abgebrochen und durch Nachfolgebauten ersetzt.
Im Hof sind zahlreiche archäologische Funde ausgestellt sowie ein Şadırvan (Moscheebrunnen) und fünf Herrschergräber, so genannte Türben, in denen Sultane, Prinzen, Prinzessinnen und Sultansgattinnen beigesetzt wurden: Selim II., Murad III., Mehmed III., Mustafa I. und İbrahim.
Die Hagia Sophia war seit ihrem Bau in der Spätantike ein epochales Bau- und Kunstwerk, das aufgrund seiner Gesamtkonzeption bis in die Gegenwart von Architekten rezipiert wurde. Während die griechisch-orthodoxe Kirche die Hagia Sophia zur Basis und zum Synonym für den vollkommenen byzantinischen Kirchenbau machte, erfolgte auch bei bedeutenden katholischen Sakralbauten, deren wichtigster Vertreter die Markuskirche in Venedig ist, eine Übernahme griechisch-orthodoxer Darstellungsformen. Nach der Einnahme Konstantinopels 1453 durch die Osmanen kam es zu der bemerkenswertesten anhaltenden Kunstrezeption, da es sich bei den Eroberern um Vertreter eines völlig anderen Kunst- und Kulturkreises handelte, welche zugleich eine neue Religion mitbrachten.
Viele Fachleute fokussieren ihren Blick auf die frei schwebende, nahezu 56 Meter hohe Kuppel von 31 Metern Durchmesser, welche auf nur vier Pfeilern ruht und besonders durch ihren flachen Neigungswinkel beeindruckt. Nach dem gravierenden Verlust bautechnischen Wissens seit der Spätantike wurden die gewaltigen römischen Repräsentationsbauten für die nachkommenden Generationen zu nicht nachvollziehbaren Wunderleistungen. Erst seit dem 20. Jahrhundert können diese Leistungen mit modernen Werkstoffen nachvollzogen werden. Als einer der ersten untersuchte Eugène Michel Antoniadi wissenschaftlich das Gebäude und deren Kuppel und veröffentlichte 1907 ein dreibändiges Werk über die Hagia Sophia. Im Jahr 2000 wurde sie von der American Society of Civil Engineers in die List of International Historic Civil Engineering Landmarks aufgenommen. Die Gesellschaft für Geophysikalische Untersuchungen in Karlsruhe untersucht seit 2002 mit Hilfe der Radartechnik (2006) den aktuellen Zustand des Gebäudes (Statik und Konstruktion). Auf der Basis der hierbei erhobenen Daten sollen Vorschläge für eine Sicherung insbesondere der Kuppel gemacht werden.
Heute gehört die Hagia Sophia zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Wir verlassen die Hagia Sophia und gelangen zur Cisterna Basilica.
Die Cisterna Basilica (türk.: Yerebatan Sarnıcı, auch Yerebatan Sarayı), oft auch Versunkener Palast genannt, ist eine spätantike Zisterne westlich der Hagia Sophia in Istanbul. Die Anlage ist eine der beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Ursprünglich soll die Zisterne von Kaiser Konstantin in Auftrag gegeben worden sein. Ihr Aussehen und ihre Größe verdankt die 138 Meter lange und 65 Meter breite unterirdische Zisterne jedoch Kaiser Justinian. Dieser ließ die Zisterne zwischen 532 und etwa 542 als Wasserspeicher für den Großen Palast anlegen. Darüber befand sich eine große Basilika, daher wird die Zisterne auch cisterna basilica genannt. Sie hat ein Fassungsvermögen von ca. 80.000 Kubikmetern Wasser. Zwölf Reihen von 28, insgesamt also 336 jeweils acht Meter hohen Säulen mit überwiegend korinthischen Spolienkapitellen tragen das Gewölbe. Das Wasser, das in bester Qualität aus dem Belgrader Wald im Hochland westlich von Istanbul über die Viadukte des Hadrian und des Valens kam, diente zur Versorgung des kaiserlichen Haushaltes. Die Anlage kann besichtigt werden. Im Wasser der Zisterne sind oftmals etliche, zum Teil sehr helle bis weiße Fische zu beobachten. Im nordwestlichen Teil der Zisterne sind die Reliefs umgekehrter Medusenhäupter zu sehen. Diese sind fehlerhaft und stammen ursprünglich aus den Prokonesos-Steinbrüchen. Die Yerebatan Zisterne ist heute eine beliebte Sehenswürdigkeit. Es werden Lichtspiele inszeniert, über Lautsprecher kommt klassische Musik.
Durch den James-Bond-Film Liebesgrüße aus Moskau, in dem eine Szene in der Zisterne spielt, wurde die Anlage weiter bekannt. Auch spielte eine Szene des Jackie-Chan-Films Spion wider Willen dort. Die Handlung des Romans Istanbul sehen und sterben der deutsch-türkischen Moderatorin und Schriftstellerin Hülya Özkan und dessen Verfilmung Die Tote in der Zisterne sind ebenfalls in der Zisterne angesiedelt. Eine wichtige Rolle spielt der Ort auch in Dan Browns Roman Inferno.
Ein Bummel über den Gewürzbasar Istanbuls ist angesagt.
Der Mısır Çarşısı („Ägyptenbasar“, auch als Ägyptischer Basar und Gewürzbasar bekannt) ist ein überdachter Basar im Istanbuler Stadtteil Eminönü in der Nähe der Galatabrücke und der Neuen Moschee.
Der Grundriss ist L-förmig, im Inneren liegen beiderseits der Basarstraße etwa 100 Geschäfte, die nur noch zum Teil nach Branchen sortiert sind. Heute werden neben Gewürzen auch Textilwaren, Elektronikartikel, Zeitungen und anderes angeboten. Die Hauptbranchen sind Lebensmittel- und Textilhandel. Über dem Haupteingang an der Galata-Brücke befindet sich ein traditionsreiches Restaurant. Vermietet werden die Geschäftsräume von der Istanbuler Stadtverwaltung.
Durch Zugänge von mehreren Seiten dient der Mısır Çarşısı auch als Verbindungsweg zwischen den zahlreichen Marktständen für Gemüse, Fleisch und Fisch, Haushaltswaren, Haustiere und Bekleidung, die ihn umgeben. Dieses offene Basarviertel erstreckt sich bergauf bis zum Kapalı Çarşı, dem sogenannten „Großen Basar“.
Schon vor der osmanischen Eroberung Konstantinopels (1453), im byzantinischen Mittelalter war das ganze umliegende Viertel Quartier für Händler aus den italienischen Seerepubliken (Venezianer, Pisaner, Amalfitaner und Genuesen); das heutige Hasircilar caddesi war die Verkaufsstraße der Venezianer. In der Nähe, im jüdischen Viertel vor dem „jüdischen Tor“, lebten und verkauften auch jüdische Händler.
1998 ereignete sich in dem Basar eine Explosion, bei der sieben Menschen tödlich verletzt wurden, darunter mehrere Kinder. Die türkische Regierung ging von einen Bombenanschlag der PKK aus und erhob mehrfach Anklage gegen Pınar Selek, die im Januar 2013 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Bis heute ist aber unter gerichtlich bestellten Gutachtern umstritten, ob es sich bei der Explosion in dem Basar überhaupt um die Detonation einer Bombe handelte oder um einen Unfall mit einem Gasbehälter. Nach dem Vorfall wurden vor dem Eingang des Basars vorübergehend die Sicherheitskontrollen verschärft.
Und, da es zu regnen begonnen hat, besuchen wir gleich noch einen Basar- den „Großen Basar“.
Der Kapalı Çarşı (osmanisch ‏قپالی چارشو‎, „überdachter Markt“), im Deutschen „Großer Basar“ oder „Großer gedeckter Basar“ genannt, ist ein Geschäftsviertel im alten Istanbuler Stadtteil Eminönü im Stadtviertel Beyazıt.
Der Große Basar erstreckt sich über 31.000 m² und beherbergt rund 4000 Geschäfte mit den verschiedensten Angeboten. Angelegt wurde er im 15. Jahrhundert unter Sultan Mehmet Fatih nach der Eroberung Konstantinopels. Zentrum ist der Eski Bedesten (übersetzt: alte Tuchhalle) – ursprünglich als Schatzkammer geplant – unter dessen Kuppeln sich heute noch die Geschäfte der Gold- und Silberhändler befinden. Der Eski Bedesten war früher fest verschlossen und beherbergte die besonders teuren Waren. Später übernahm die Halle sogar die Funktion einer Bank – reiche Privatleute nutzten ihn als Tresor für ihr Privatvermögen. Süleyman der Prächtige ließ später den Yeni Bedesten (übersetzt: Neue Tuchhalle) errichten, der heute Sandal Bedesten genannt wird. Der gesamte Basar war ursprünglich aus Holz gebaut. Nach mehreren schweren Bränden ließ Sultan Mustafa III. die Gebäude teilweise aus Stein wiederaufbauen.
Wie bei Basaren üblich, sind die Geschäfte im Großen Basar nach Branchen sortiert, was häufig auch an den Straßennamen zu erkennen ist (z. B. bei der Halıcı Sokağı, der Teppichhändlerstraße und bei der Sahaflar caddesi, der Antiquitätenhändlerstraße). Außerhalb der Geschäftszeiten sind nicht nur die Läden, sondern auch die zahlreichen Eingänge zu den überdachten Gassen verschlossen.

Ein prall gefülltes Tagesprogramm findet sein Ende mit einem gemeinsamen Abendessen in der Altstadt Istanbuls.

Samstag, 29. März 2014

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Wir tauchen wieder ab in die Geschichte und besuchen die Sultan Ahmed Moschee.
Die Sultan-Ahmed-Moschee (türkisch Sultanahmet Camii) in Istanbul wurde 1609 von Sultan Ahmed I. in Auftrag gegeben und bis 1616, ein Jahr vor dem Tod des Sultans, vom Sinan-Schüler Mehmet Ağa erbaut. Nach der Säkularisation der kaum 500 Meter entfernten Hagia Sophia ist sie heute Istanbuls Hauptmoschee und ein Hauptwerk der osmanischen Architektur. In Europa kennt man sie als Blaue Moschee wegen ihres Reichtums an blau-weißen Fliesen, die die Kuppel und den oberen Teil der Mauern zieren, aber jünger als der Bau selbst sind. Kunsthistorisch bedeutsamer sind die Fliesen auf dem unteren Teil der Mauern und den Tribünen: Sie stammen aus der Blütezeit der Iznik-Fayencen und zeigen traditionelle Pflanzenmotive, bei denen Grün und Blautöne dominieren. Die Ausmalung des Innenraumes wurde auf Rosa geändert.
Die Moschee hat sechs Minarette; nur die Prophetenmoschee in Medina mit 10 und die Hauptmoschee in Mekka mit 9 Minaretten haben mehr Minarette als die Sultan-Ahmed-Moschee. Gemäß Hofchronisten hatte der Sultan bei der Auftragsvergabe vom Architekten verlangt, die Minarette zu vergolden. Da das aufzuwendende Blattgold aber das ihm vorgegebene Budget vollkommen überschritten hätte, „verhörte“ sich Mehmet Ağa und machte aus dem türkischen Wort altın („Gold“) die Zahl altı („sechs“).
Der Gebetsraum ist mit 53 m Länge und 51 m Breite fast quadratisch. Die Hauptkuppel hat einen Durchmesser von 23,5 m und ist 43 m hoch. Sie wird von vier Spitzbögen und vier flachen Zwickeln getragen, die wieder auf vier riesigen, 5 m dicken Säulen ruhen. 260 Fenster erhellen den Innenraum. Die bunten Glasscheiben sind moderne Nachbildungen der ursprünglichen aus dem 17. Jahrhundert.
Moschee und Hof waren von einer Mauer umgeben. Davon existiert nur mehr der Nordteil. Sie trennt die Moschee von den anderen Gebäuden der Külliye ab, die es heute noch gibt. In der angrenzenden Türbe, die für die Besucher geöffnet ist, ruhen Ahmed I., seine Frau und drei seiner Söhne: Osman II. (1618–1622), Murat IV. und Prinz Beyazıt.
Im oberen Teil des Hofeingangs auf der Westseite befindet sich eine schwere Eisenkette. Diese diente dazu, dass der Sultan, der den Hof zu Pferde betrat, an dieser Stelle seinen Kopf neigen musste, wenn er nicht an die Kette stoßen wollte. Dies diente als ein symbolischer Akt, damit der Sultan nicht erhobenen Hauptes, also in der Pose vollen Stolzes, die Moschee betreten konnte.
In Teilen wurde für den Bau das Gelände des byzantinischen Großen Palastes überbaut.
Durch den Besuch Papst Benedikts XVI. in der Sultan-Ahmed-Moschee am 30. November 2006 anlässlich seines Pastoralbesuches in der Türkei betrat erstmals ein Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche das islamische Gotteshaus. Während des Gebets der geistlichen Führer Istanbuls verharrte der Papst in der für Muslime üblichen Gebetshaltung in einer Meditation. Viele Medien sprachen von einem Gebet des Papstes, für das er vor allem von türkischen Zeitungen viel Lob erhielt, aber der Vatikan hat betont, dass es sich lediglich um eine Meditation handelte. Gemeinsam mahnten die muslimischen Geistlichen und der Papst zum Frieden der Völker sowie Respekt und Toleranz zwischen den Religionen.
Ein weiterer Höhepunkt heute ist der Besuch des Topkapi- Palastes.
Der Topkapı-Palast (osmanisch ‏طوپقپو سرايى‎ Topkapı Sarayı; im Deutschen auch Topkapi-Serail, wörtlich „Kanonentor-Palast“) in Istanbul war jahrhundertelang der Wohn- und Regierungssitz der Sultane sowie das Verwaltungszentrum des Osmanischen Reiches.
Mit dem Bau wurde bald nach der Eroberung Konstantinopels (1453) durch Sultan Mehmed II. begonnen. Zunächst ließ er einen Palast auf dem heutigen Beyazıtplatz (Beyazıt Meydanı) errichten. Wenig später entschied er sich dann aber für ein zweites Projekt an anderer Stelle. Ab 1459 wurde auf der heute Sarayburnu genannten Landspitze zwischen Goldenem Horn und Marmarameer ein neuer, zunächst aus zwei Höfen (heute 2. und 3. Hof) bestehender Palast errichtet, der 1468 vollendet war. Dabei wurden Teile des byzantinischen Mangana-Palastes überbaut. 1478 wurde eine Wehrmauer im Abstand um den Palast fertiggestellt, die u.a. den Raum für den heutigen ersten Hof bildete. Damit war die Grundstruktur des Palastes bereits im 15. Jahrhundert in den wesentlichen Zügen festgelegt. Der Bau ist somit auch nach den späteren Umgestaltungen eines der bedeutendsten Architekturzeugnisse der Renaissanceepoche in Europa.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die Anlage durch umfangreiche Renovierungen und Erweiterungen bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts. Seit Mehmed II. residierten alle osmanischen Herrscher im Topkapı-Palast, bis Sultan Abdülmecid I. im Jahre 1856 das neue Dolmabahçe Sarayı auf der anderen Seite des Goldenen Horns am Ufer des Bosporus bezog. Beide Paläste sind heute Museen.
Der Palast besteht nicht aus einem einzelnen, sondern getreu der türkischen Tradition aus mehreren Gebäuden in einem großen Garten. Mit einer Fläche von über 69 Hektar und bis zu 5000 Bewohnern war der Palast eine eigene Stadt. Man nannte ihn anfangs Saray-ı Cedîd-i Âmire / ‏سرای جديد عامره‎ oder Yeni Saray / ‏يکی سرای‎ / ‚Neuer Palast‘, bevor sich im 18. Jahrhundert der Name Topkapı Sarayı durchsetzte, der sich von der palasteigenen Kanonengießerei ableitete.
Der Palast ist in vier Höfe unterteilt, die jeweils durch eigene Tore erreicht werden. Mit seiner Lage auf einer Landspitze bietet er eine beispiellose Panoramasicht auf Istanbul, den Bosporus und das Goldene Horn.
Erster Hof
Den Haupteingang zum Palastgelände bildet das Bâb-ı Hümâyûn / ‏باب همايون‎ / ‚großherrliches Tor‘. Links und rechts des Tores befinden sich Räume, die für die Wächter vorgesehen waren. Über dem Torbogen befindet sich eine kalligraphische Inschrift Ali bin Yahya Sofîs, die das Datum 1478 trägt, und somit zu Zeiten der Herrschaft Mehmed II. entstand.[1] Im ersten Hof waren vorwiegend Räumlichkeiten für Dienstleistungen untergebracht. Auf dem parkähnlichen Platz wurden Paraden abgehalten.
Zweiter Hof
Der zweite Hof war das politische Zentrum und beherbergte Staats- und Verwaltungsräume. Auf der Ostseite war über die gesamte Länge die Palastküche untergebracht, die täglich bis zu 6000 Mahlzeiten herstellte. Des Weiteren befanden sich auch die Unterkünfte der Lanzenträger, die Leibgarde des Sultans, auf diesem Hof.
Dritter Hof
In den dritten Hof gelangt man durch das Bâb-üs Saade / ‏باب السعاده‎ / ‚Tor der Glückseligkeit‘. Der Hof durfte nur nach ausdrücklicher Erlaubnis betreten werden. Hier befand sich der Thronsaal für Empfänge der höchsten Staatsbediensteten, der Wesire, und ausländischer Gäste. Beiderseits des Tores war die Palastschule Enderûn, wo der Nachwuchs für die Staats- und Verwaltungsberufe ausgebildet wurde. Um Korruption zu verhindern, gab es für junge Männer, die aus dem Osmanischen Reich – teilweise auch als Sklaven – zur Ausbildung in die Palastschule aufgenommen wurden, drei unabdingbare Voraussetzungen: 1. Sie durften keine Türken sein. 2. Sie mussten Waisen sein. 3. Es durfte kein Verwandter im Palast arbeiten. Des Weiteren befand sich hier das Darüssaade, der Verbotene Ort Harem (aus dem Arabischen حرام / haram = verboten, tabu). Dort waren die Privatgemächer des Sultans und seiner Haremsdamen, bis zu 2000 Frauen, die unter der Leitung der Sultansmutter in ihren Räumen lebten.
Vierter Hof
Im vierten Hof befanden sich weitere Parkanlagen und Gärten auf verschiedenen Terrassen.
Die Einrichtung der Räume des Palastes zeugt vom unermesslichen Reichtum der osmanischen Herrscher. Nur edelstes Baumaterial wie Marmor und Tropenhölzer, kostbarste Teppiche und teuerstes Mobiliar wurden verwendet; zudem wurde tonnenweise Gold zur Ausschmückung und Verzierung verarbeitet.
Seit 1923 ist im Topkapı-Palast ein Museum untergebracht. Es beherbergt Sammlungen von Porzellan, Handschriften, Porträts, Gewändern, Juwelen und Waffen aus dem osmanischen Reich, ferner die islamischen Reliquien, wie Waffen Mohammeds und der ersten Kalifen, eines der ältesten Koranexemplare, die Karte des Piri Reis oder auch Barthaare des Propheten Mohammed. Konservative Muslime fordern deswegen eine Schließung des Palastes für den Tourismus.
Der Topkapı-Palast diente 1964 als Kulisse für den gleichnamigen Film Topkapi mit Melina Mercouri, Maximilian Schell und Peter Ustinov.

Als wir die Rundgänge durch den Palast beenden, beginnt auch wieder die Sonne zu scheinen und verdrängt den tristen Regen. Wir nutzen den Anflug der Schönwetterphase und fahren über die Atatürk- Brücke auf einen Tee nach Asien. Es ist aber noch zu feucht, das europäische Istanbul verschwindet im Regen…

Sonntag, 30. März 2014

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Wir besuchen eine der ältesten Kirchen Istanbuls, das inzwischen in ein Museum gewandelte Chora- Museum.
Die Chora-Kirche (griechisch Ἐκκλησία του Ἅγιου Σωτῆρος ἐν τῃ Χώρᾳ, Μουσείο Χώρας; türkisch Kariye Camii, Kariye Müzesi), im Istanbuler Stadtteil Fatih gelegen, ist eine ehemalige byzantinische Kirche. Die Mosaiken und Fresken im Stil der palaiologischen Renaissance zählen zu den bedeutendsten und aufwändigsten Sakralzyklen weltweit. Die Kirche wurde unter den Osmanen im frühen 16. Jahrhundert in eine Moschee umgewandelt, nach 1948 restauriert und in ein Museum umgewandelt.
Schon im 5. Jahrhundert stand außerhalb der Mauern, die Konstantin der Große im 4. Jahrhundert um seine neue Hauptstadt errichtet hatte, eine Kirche, die Chora hieß, was „Land, Umland“ bedeutet. Als Theodosius II. die Verteidigungsmauer, die so genannte Theodosianische Landmauer, weiter nach Westen verlegte, blieb der Name bestehen, obwohl der Gebäudekomplex nun in das eigentliche Stadtgebiet einbezogen wurde. Die Bezeichnung hat auch symbolische Bedeutung gewonnen, seit Inschriften in der Kirche Christus als „Land der Lebenden“ und Maria als „Land des Unendlichen“ bezeichnen.
1077 bis 1081 stiftete Maria Doukaina, die Schwiegermutter Kaiser Alexios I., die Kirche, bei der es sich wahrscheinlich um eine Vier-Säulen-Kirche, eine damals sehr beliebte Bauform, handelte. Nach einem partiellen Einsturz im frühen 12. Jahrhundert wurde die Kirche vom Enkel der Gründerin, Isaak Komnenos, dem dritten Sohn Alexios I. grundlegend erneuert und aufwendig umgestaltet. Doch erst in der dritten Bauphase zwei Jahrhunderte später entstand die Chora-Kirche, wie wir sie heute kennen. Theodoros Metochites, der Kanzler und erste Schatzmeister unter Andronikos II. Palaiologos, ließ in den Jahren 1315 bis 1321 die in Verfall begriffene Kirche von Grund auf restaurieren und mit umfangreichen Bilderzyklen ausschmücken. Die Mosaiken sind das bedeutendste Beispiel für die Renaissance der Palaiologen.
Etwa ein halbes Jahrhundert nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen wurde die Chora-Kirche, die bis dahin dem christlichen Ritus gedient hatte, von Atık Ali Paşa, dem Großwesir Bāyezīd II., in eine Moschee umgewandelt und in Kariye Camii umbenannt. Die Mosaiken kamen wegen des Bilderverbots im Islam unter Putz oder wurden übertüncht. Andere brachen bei den häufigen Erdbeben von den Wänden.
Seit 1948 organisierten Thomas Whittemore und Paul A. Underwood ein zunächst vom Byzantine Institute of America und später dem Dumbarton Oaks Center für byzantinische Studien gesponsertes Restaurierungsprogramm. Rund um die Kariye Camii hat der türkische Automobilklub TTOK einen ganzen Komplex von Holzhäusern aus osmanischer Zeit renoviert.
Der Kirche sind ein Eso- und ein Exonarthex vorgelagert, auf der rechten Seite befindet sich eine Seitenkapelle (Parekklesion), auf der linken eine zweistöckige Galerie. Über dem Mittelraum ruht eine Kuppel, die in ihrer heutigen Form von den Osmanen erneuert wurde.
Die Mosaiken und Fresken sind sowohl qualitativ als auch ihrer Anzahl nach die bedeutendsten erhaltenen byzantinischen Bildwerke. Bei Unterschieden im Detail weisen sie durch ihre Lebendigkeit und ihren Realismus auf italienische Fresken der frühen Renaissance voraus. Mit der traditionell streng stilisierten byzantinischen Kunst haben sie nur mehr wenig gemein. Die sich anmutig bewegenden Personen verleihen den Darstellungen unvergleichliche Leichtigkeit und Eleganz, die zusätzlich durch die frische Farbgebung unterstrichen wird. Auch die weit gespannte Vielfalt biblischer Themen gibt einen Eindruck von der Schaffenskraft byzantinischer Meister. Bezeichnend sind die Erzählfreude und der Detailreichtum der Mosaiken. Ihre Leitmotive sind die Menschwerdung Gottes (die Inkarnation) und die damit verbundene Erlösung der Menschen. Das zweite Kommen Christi als zentrales Motiv der Fresken der Grabkapelle rundet dieses Konzept ab.
Die Mosaiken in der Kirche folgen einer strengen ikonografischen Ordnung. Beim Eintritt in die Chora-Kirche fällt der Blick auf die Darstellung von Christus Pantokrator über dem Portal zum inneren Narthex. Dahinter gegenüberliegend über dem Haupteingang erscheint die Muttergottes: Die Neugründung war somit Christus und Maria geweiht. Nach Durchschreiten des äußeren Narthex stößt man auf das Stiftermosaik, das Theodoros Metochites kniend darstellt, wie er Christus ein Modell seiner Kirche darbringt. Zwei Mosaikikonen Petrus und Paulus flankieren den Durchgang. Die Südkuppel davor zeigt Christus Pantokrator und die Genealogie Christi, die Nordkuppel Maria und ihre Vorfahren. Im unter der Kuppel anschließenden Gewölbe beginnt der Zyklus aus ursprünglich 20 Szenen mit Darstellungen aus der Legende des im Mittelalter sehr beliebten Marienlebens. Der Bildzyklus im äußeren Narthex beginnt mit der Kindheit Jesu und setzt sich mit den Darstellungen des öffentlichen Wirkens Christi in den inneren Narthex hinein fort. Heiligenporträts und das Mosaik der sterbenden Jungfrau im Kirchenschiff runden das Gesamtbild ab.
Die Fresken in der südlichen Seitenkapelle (Parekklesion) waren der letzte Auftrag des Kanzlers Theodoros Metochites und datieren wohl aus den Jahren 1320 und 1321. Das Bildprogramm ist typisch für Darstellungen in einer Grabkapelle: Es sind Themen der Wiederauferstehung und das Jüngste Gericht. Die Gemälde oberhalb des Simses stellen Christus als Weltenrichter, Himmel und Hölle sowie Maria als Mittlerin zwischen Himmel und Erde dar. In der Konche der Apsis ist die Höllenfahrt Christi (griech. Anastasis) zu sehen. Im Zentrum steht Christus, der gerade die Felsen und Tore der Hölle gesprengt hat, der gefesselte Satan liegt zu seinen Füßen. Mit der rechten Hand zieht er Adam aus dem Grab, mit der linken befreit er Eva. Hinter Adam stehen Johannes der Täufer, David und Salomon, in Evas Grab Abel und eine Gruppe von Gerechten. Die vier Gräber in der Kapelle liegen in tiefen Nischen. Ursprünglich standen dort Sarkophage. Darüber sind noch Spuren der einstigen Mosaiken und Fresken zu sehen.
Eine aufwändig gemeißelte und verzierte Archivolte ziert das Grab am nördlichen Ende der Kapelle. Die Namensinschrift ist verloren, dennoch gilt als sicher, dass es sich hier um das Grab des Stifters der Kirche, Theodoros Metochites, handelt. Er war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit, ein typischer Vertreter der palaiologischen Renaissance: Er war Diplomat, hoher Regierungsbeamter, Theologe, Philosoph, Historiker, Astronom, Dichter und Kunstmäzen. Er gilt als einer der Initiatoren der Renaissance der Palaiologen. Nach dem Staatsstreich durch Andronikos III. (1328–1341) fielen Metochites und die anderen Führer des alten Regimes in Ungnade. Sie verloren ihren Besitz und wurden ins Exil geschickt. Erst kurz vor dem Ende seines Lebens durfte Metochites in die Stadt zurückkehren und zog sich in das Chora-Kloster zurück, wo er am 13. Mai 1331 starb.
Wir besuchen eine Teppich- Knüpferei, wesentlicher Bestandteil türkischer Kultur.
Obwohl der türkische Teppich aus einem der klassischen Ursprungsländer kommt, wird er heute in Europa kaum wahr genommen.

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Kaum jemand erinnert sich noch daran, dass die Europäer durch die Herrschaft des Osmanischen Reiches, die bis vor Wien reichte, nicht nur Kaffee, Kakao und Schokolade kennen lernten, sondern auch den Orientteppich.
Es waren die alttürkischen Teppiche, die den Venezianer Marco Polo, der auf seiner 1271 begonnenen Reise zum Fernen Osten die anatolischen Städte Como (Konya), Caesarea (Kayesri) und Sebastala (Sivas) berührte, von den „besten Teppichen der Welt“ sprechen ließ. Diese Teppiche waren es, die den Weltruf des Orientteppichs begründeten.
Der älteste uns überlieferte Teppich ist der berühmte rund 2.400 Jahre alte Pazyryk-Teppich, der schon mit dem doppelten türkischen Knoten geknüpft wurde und in der Ermitage in St. Petersburg bewundert werden kann.
Die nächsten erhalten gebliebenen Teppichfragmente stammen aus dem 11. – 13. Jh. aus den Moscheen in Konya und Beysehir, ebenso aus Turkestan, dem Zweistromland und dam ägypto-koptischen Bereich, alle mit dem dopppelten türkischen Knoten geknüpft, und nach Farben und Mustern eindeutig Anatolien zuzuordnen. Sie stammen aus der Zeit der Seldschuken-Herrschaft. Die Seldschuken waren ein turkmenischer Stamm der Oghusen, die im 9. Jahrhundert ihr Siedlungsgebiet östlich des Aralsees (dem heutigen Kasachstan und Usbekistan) hatten und vom 11. bis zum Ende des 13. Jahrhunderts ihre Herrschaft über Persien bis nach Anatolien ausdehnten. Die Teppiche aus dieser Zeit weisen eine solche Meisterschaft und Kunstfertigkeit auf, dass man davon ausgehen muss, dass diese Kunst schon lange vor den Seldschuken im anatolischen Volk gepflegt wurde, obwohl kein einziger Teppich heute Zeugnis davon ablegt.
Ab Anfang des 13. Jahrhunderts übernahmen nach und nach die Osmanen die Herrschaft über Anatolien und weiteten sie Schritt für Schritt über drei Kontinente aus.
Jetzt wurden anatolische Teppiche in Hofmanufakturen für den ausschließlichen Gebrauch der Sultane und des Hochadels hergestellt. Diese feinsten Teppiche wurden auch als Gastgeschenke genutzt, um Beziehungen zu (nicht nur) europäischen Staaten zu knüpfen oder wiederherzustellen, Allianzen zu schmieden oder zu erneuern, um Könige, Fürsten und Mitglieder des Hochadels auszuzeichnen. Auf diese Weise kamen europäische Fürstenhäuser erstmals mit den orientalischen, damals ausschließlich türkischen Teppichen in Berührung.
Durch Händler in Florenz und Genua fanden diese Teppiche als außerordentliche Beispiele der Harmonie in Farbe und Ornamentik Eingang in weitere europäische Adelshäuser. Es gehörte bald zum „guten Ton“ mindestens einen türkischen Teppich sein eigen zu nennen, wenn nicht eine ganze Sammlung. Die Fürsten ließen ihre Teppiche gern auf den Gemälden des 14. bis 16. Jahrhunderts dar- und zur Schau stellen. Besonders bekannt sind die Darstllungen durch Holbein dem Jüngeren, Lotto, Hans Memling, Van Eyck und so weiter. Die von diesen Künstlern agbebildeten Teppiche werden durch ihre Muster und Farben eindeutig als anatolische Teppiche erkannt – und die Gemälde dienen bis zum heutigen Tag zur Klassifizierung antiker anatolischer Teppiche aus dieser Zeit.
Nach der verlorenen Schlacht vor Wien im Jahre 1683 ließen die Türken neben ihren Zelten auch viele ihrer wundervollenTeppiche zurück. Dadurch gab es jetzt so viele türkische Teppiche, dass es auch den Bürgern erlaubt wurde, sie zu besitzen. Durch dieses Ereignis stieg die Nachfrage nach türkischen Teppichen in Europa weiterhin an. Damals war der türkische Teppiche der Inbegriff des Orientteppichs.
Das sollte auch bis zum 19. Jahrhundert so bleiben.
Bevor wir uns mit dem Niedergang der Bedeutung des türkischen Teppichs in Europa (und damit in der Welt) beschäftigen, hier ein kleiner Einschub zu den Unterschieden zwischen dem heute noch vorherrschenden persischen (und damit pakistanischen und indischen) Orientteppich – und dem türkischen Teppich, dessen Renaissance in Europa wir seit einiger Zeit erleben dürfen.
Der persische Teppich unterscheidet sich von den türkischen nicht nur durch die überwiegende Knüpfung mit dem loseren und einfacher zu knüpfenden persischen asymmetrischen, einfachen oder Senneh-Knoten im Gegensatz zu dem sehr haltbaren türkischen symmetrischen, doppelten oder Gördes-Knoten sondern ebenso in der Musterung.
Die Begründung für die Unterschiede der Muster liegt im Darstellungsverbot des Islam. Da die Perser dem schiitischen Islam angehören, wird bei ihnen dieses Verbot etwas lockerer gehandhabt, was zu den bekannten geschwungenen, weitschweifigen, floralen und Tiermustern führt.
Dem stehen die beinahe strengen, immer an einer Symmetrie-Achse gespiegelten geometrischen, stilisierten Muster der sunnitischen Türken gegenüber, die von den ostasiatischen Turkvölkern abstammen und ihre geometrischen Muster bereits in den Kilims der Nomaden zeigen. Dennoch wirken sie durch ihre Symmetrie und die warmen Farben nie kalt.
Eine Ausnahme bilden hier die türkischen Palast-Teppiche des 19. Jahrhunderts, die sich an den persischen Mustern anlehnen, denn zu dieser Zeit herrschte am osmanischen Hof gerade die „persische Mode“. Durch die Eroberung und Herrschaft über Persien im 16. Jahrhundert, die bis zum Ende des 17. Jahrhunderts andauerte, waren die Osmanen mit diesen Mustern in Berührung gekommen, haben Teile davon angenommen und „osmanisiert“.
Das führte zu einer geschwungeneren und naturalistischeren Ausführung der Muster, besonders der Palast-Teppiche, die eigens für den Gebrauch bei Hofe und in der Aristrokratie entworfen wurden und dennoch wurde die türkische Eigenart nicht nur in den Farben beibehalten. Sehr schön wird dies in den Mustern des Sultans Abdülmecid I. verdeutlicht, der ab 1844 die Teppiche für seinen Dolmabahce Palast in Hereke knüpfen ließ.
Im selben Zeitraum überfluteten die Briten den europäischen Markt durch eine groß angelegte Marketing-Strategie während der Weltausstellungen von 1851 in London und 1873 in Wien mit persischen Teppichen. Das führte zu einer erhöhten Nachfrage nach Teppichen aus Persien und der bisher in Europa dominierende türkische Teppich verschwand aus dem Bewusstsein der Menschen. Durch die steigende Nachfrage nach persischen Teppichen besonders aus dem aufstrebenden Bürgertum kam der Engländer schweizerischer Herkunft Ziegler auf die Idee, die Teppiche maschinell und industiell direkt in Persien herstellen zu lassen. Durch die auf Grund der Massenproduktion sinkenden Preise wurde die Nachfrage nach persischen Teppichen weiter angeheizt. Das führte dazu, dass die in Persien vorhandene Wolle zum Knüpfen der Teppiche nicht mehr ausreichte und aus Großbritannien importiert werden musste. Ein solches Vorgehen war möglich, weil es auf Grund des faktischen Protektorats der Briten über Persien in dieser Zeit (die Briten herrschten über den Süden Persiens während er Ghadjaren-Dynastie von 1779 – 1924) keine Ein- oder Ausführbeschränkungen oder Zölle gab. Das war der engültige Niedergang des türkischen Teppichs in Europa und der Beginn des Übergewichtes der persischen Teppiche. Durch die koloniale Herrschaft Großbritanniens unter anderem auch über Indien und Pakistan, wurden die Muster und Herstellungsverfahren aus Persien dorthin exportiert. So kamen zu den persischen auch die indischen und pakistanischen Teppiche – alle mit persischen Mustern und dem persischen Knoten geknüpft, die den Geschmack der Europäer in den letzten 150 Jahren bestimmten.

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Der türkische Teppich ist heute ein Teppich der Liebhaber und Kunstkenner – und wir wünschen ihm die Aufmerksamkeit im Bewusstsein der Menschen dieser Erde, der ihm durch seine Jahrtausende alte Geschichte gebührt.
Der osmanische Sultan Abdülmecid I. ließ ab 1843 den Dolmabahce Palast (türkisch: Dolmabahce Sarayi – „Palast der aufgeschütteten Gärten“) errichten. Um die Polsterstoffe, Gardinen, Wandverkleidungen und Teppiche für diesen Palast der Superlative herzustellen, gründete er die Manufaktur in Hereke. Die hier versammelten besten Knüpfmeister und Designer ermöglichten es, feinste Teppiche mit bisher nie da gewesenen Mustern, in ungewöhnlichen Größen und vollkommener Harmonie zu schaffen.
Der Dolmabahce Palast und die darin befindlichen 4.454 m² herrlichen feinsten Teppiche aus Hereke künden noch heute von den ehrgeizigen Plänen des jungen Sultans, von der Kunstfertigkeit und dem Können der Architekten, Künstler und Handwerker der damaligen Zeit.
Was wäre der Besuch Istanbuls ohne eine Fahrt auf dem Bosporus. Bei zwar sonnigem Wetter aber recht kühlen Temperaturen und böigem Wind wird der Aufenthalt auf dem Oberdeck schon zu einer Herausforderung, entlohnt aber mit einem wunderbaren Panorama.
Der Bosporus (griechisch Βόσπορος „Rinderfurt“, von βοῦς boũs „Rind, Ochse“ und πόρος póros „Weg, Furt“; türkisch Boğaz „Schlund“, bzw. Karadeniz Boğazı für „Schlund des Schwarzen Meeres“; veraltet „Straße von Konstantinopel“) ist eine Meerenge zwischen Europa und Kleinasien, die das Schwarze Meer (in der Antike: Pontos Euxeinos) mit dem Marmarameer (in der Antike: Propontis) verbindet; daher stellt er einen Abschnitt der südlichen Innereurasischen Grenze dar. Auf seinen beiden Seiten befindet sich die Stadt Istanbul, deren Geografie er maßgeblich prägt. Der Bosporus hat eine Länge von ca. 30 Kilometern und eine Breite von 700 bis 2500 Metern. In der Mitte variiert die Tiefe zwischen 36 und 124 Metern (bei Bebek). Innerhalb des Bosporus liegt auf der westlichen Seite das Goldene Horn, eine langgezogene Bucht und ein seit langem genutzter natürlicher Hafen.
Die Durchfahrtsrechte für die internationale Schifffahrt wurden 1936 im Vertrag von Montreux geregelt.
1997 sorgten die amerikanischen Meeresbiologen William Ryan und Walter Pitman mit ihrer Sintflut-Hypothese für Aufsehen. Sie besagt, dass der Bosporus nur etwa 7500 Jahre alt ist. Davor sei das Schwarze Meer ein Binnengewässer etwa 120 Meter unter dem heutigen Meeresspiegel gewesen. Im Laufe der holozänen Meerestransgression durch Abschmelzen eiszeitlicher Gletscher sei etwa im sechsten Jahrtausend v. Chr. das Mittelmeer über das Marmarameer und Bosporus in das Schwarze Meer eingebrochen. Der sehr ebene Grund der tief in den Fels eingeschnittenen, relativ breiten Wasserstraße wird als Indiz für die sehr große Strömungsgeschwindigkeit des Wassers bei seiner Entstehung interpretiert.
Sowohl Zeitpunkt als auch Ablauf dieses Ereignisses werden sehr kontrovers diskutiert. Umweltforscher aus den USA und Kanada (Teofilo Abrajano, Rensselaer Polytechnic Institute, Ali Aksu, University of Newfoundland) führten Analysen der Sedimente im Marmarameer durch, die die Sintflut-Hypothese ihrer Ansicht nach widerlegen. Demnach strömt das Wasser schon seit dem Ende der letzten Eiszeit kontinuierlich aus dem Schwarzen Meer ins Mittelmeer.
Aus dem Schwarzen Meer fließt ein kräftiger Oberstrom, und in etwa 40 Meter Tiefe ein schwächerer Unterstrom in entgegengesetzter Richtung, angetrieben durch die höhere Dichte des Mittelmeerwassers; der Salzgehalt ist im Mittelmeer etwa doppelt so hoch wie im Schwarzen Meer. Das Mittelmeer ist ein arides (trockenes) Meer – die Verdunstung übersteigt den Wasserzufluss aus den einspeisenden Flüssen. Dagegen ist der Wasserzufluss in das Schwarze Meer aus seinen einspeisenden Flüssen größer als die Verdunstung. Wegen der wasserreichen Zuflüsse in das Schwarze Meer (besonders die Donau, aber u.a. auch Dnepr, Dnister, Don, Südlicher Bug) beträgt der Wasserüberschuss des Schwarzen Meeres etwa 300 km³ pro Jahr. Das Wasser aus dem Schwarzen Meer fließt über das Marmarameer und die Dardanellen in die Ägäis und das Mittelmeer – mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 3 Knoten (stellenweise bis 8 Knoten).
In der Antike konnten die Griechen mit ihren Schiffen vom späten Frühling bis in den Sommer nicht durch den Bosporus segeln. Während dieser Zeit bliesen Nordostwinde, die Strömungsgeschwindigkeit erhöhte sich dann auf durchschnittlich 4 Knoten, dagegen konnten die griechischen Schiffe nicht kreuzen. Auch ihre Rudergeschwindigkeit reichte nicht aus, um gegen die Strömung anzukommen. Erst mit dem Aufkommen stärkerer Ruderboote (Pentekontere) konnten die Griechen mit ihren Schiffen durch den Bosporus ins Schwarze Meer gelangen.
Zum Vergleich: auch an der Straße von Gibraltar fließt das Wasser an der Oberfläche in Richtung Mittelmeer und in der Tiefe in entgegengesetzte Richtung. In der Antike konnten nur durch diese Gegenströmung, die mit einem Treibanker als Antrieb nutzbar gemacht wurde, Schiffe vom Mittelmeer in den Atlantik segeln.
Am Bosporus herrschen Winde aus Nord bis Nordost vor. Die Gezeiten sind sehr schwach. Bei seltenen Südwinden dreht sich die Wasserströmung an der Oberfläche gelegentlich nach Norden.
Der Bosporus (türkisch: İstanbul Boğazı) gilt als eine der weltweit wichtigsten Wasserstraßen, er ermöglicht bedeutenden Küstenstreifen der Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres – darunter Russland, die Türkei, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien und Georgien – den maritimen Zugang zum Mittelmeer und damit Zugang zum internationalen Seehandel. Neben Agrargütern und Industrieprodukten hat nicht zuletzt das Erdöl einen entscheidenden Anteil am großen Transportvolumen auf diesem Weg. Insbesondere die Anrainerstaaten am östlichen Schwarzen Meer sowie deren durch Pipelines angebundenes Hinterland gelten als Erdöl-Lieferanten des 21. Jahrhunderts, zugleich aber politisch auch als Unruhe-Regionen. Nach einer Greenpeace-Aktion, die auf das Unfallrisiko für den Schiffsverkehr aufmerksam machte, wurden Ende 2002 die Auflagen zur Durchfahrt für Öltanker verschärft. Im Jahr durchfahren etwa 50.000 Schiffe diese Meerenge. Im Jahr der Unterzeichnung des Vertrages von Montreux (1936) waren es lediglich 4.500 pro Jahr.

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Im April 2012 äußerte der türkische Premier Erdogan Pläne seiner Regierung, den Bosporus durch den parallel zu bauenden Istanbul-Kanal entlasten zu wollen.
Bereits in den antiken Sagen wurde der Bosporus erwähnt. Jason musste auf seiner Fahrt nach Kolchis die lebensgefährlichen Symplegaden passieren – zwei mythologische Felseninseln, die an der Einmündung des Bosporus in das Schwarze Meer liegen.
Der Name Bosporus (Kuh- oder Ochsenfurt) stammt daher, dass hier nach der Sage die in eine Kuh verwandelte Io auf ihrer Flucht hinüberschwamm.
Als die Bezeichnung Bosporus im Altertum auch für andere Meerengen verwendet wurde, nannte man die Straße von Konstantinopel Thrakischen Bosporus (Thraci scheu Bosporus) – zur Unterscheidung vom Cimerischen Bosporus oder Kimmerischen Bosporus (Straße von Kertsch).
Der persische König Dareios I. ließ im 6. Jahrhundert v. Chr. die Schiffbrücke über den Bosporus bauen, der so sein angeblich 700.000 Mann starkes Heer für seinen Feldzug gegen die Skythen übersetzte.
Die Großmächte, die im Laufe der Geschichte den Bosporus kontrollierten (Oströmisches Reich, Osmanisches Reich), strebten damit auch eine Kontrolle über das Schwarze Meer an. So ließ Sultan Bayezid I. 1390 die Gelibolu-Schiffswerft errichten, um den Bosporus und damit die Schifffahrtsroute zwischen Konstantinopel (heute Istanbul) und dem Schwarzen Meer zu kontrollieren. Konstantinopel war zu dieser Zeit noch nicht osmanisch.
Für diesen Zweck führte er auch Schiffsinspektionen für alle Schiffe ein, die den Bosporus durchfahren wollten, und verweigerte gegebenenfalls auch die Durchfahrt. Zum Zwecke der Kontrolle des Bosporus wurde auch die Festung Anadolu Hisarı (auf der asiatischen Seite) errichtet. Später ließ Mehmed II. als Vorbereitung auf die Belagerung und Eroberung Konstantinopels die Festung Rumeli Hisarı (auf der europäischen Seite) errichten – genau gegenüber der Festung Anadolu Hisarı. Danach hatte das osmanische Reich die volle Kontrolle über den Zugang zum Schwarzen Meer und kämpfte um dessen volle Kontrolle. Für eine gewisse Zeit wurde Schiffen, die unter der Flagge der Republik Venedig bzw. der Republik Genua fuhren, die freie und ungehinderte Durchfahrt zu ihren Kolonien im Schwarzen Meer gewährt; später mussten sie eine Reisegenehmigung (izn-i sefine) erwerben und eine Steuer entrichten. Nach 1484 (nach der Eroberung von Kili und Akkirman unter Bayezid II.) wurde dann aber allen Schiffen unter ausländischer Flagge die Durchfahrt durch den Bosporus verwehrt. Wegen der vollständigen Isolierung des Schwarzmeerraumes vom internationalen Handel wurde diese Region im 16. Jahrhundert zum internen Meer des Osmanischen Reiches. Anfangs war die gesamte Schwarzmeerküste osmanisch beherrscht. Eine privilegierte Flotte von 120 Schiffen (Unkapani kapan-i dakik; je 175 t Ladung) transportierte im Auftrag des Reiches Getreide aus dem Donaudelta und von der anatolischen Schwarzmeerküste. Zusätzlich waren Handelsschiffe auf eigene Rechnung unterwegs, die für jede Reise einen Antrag stellen mussten.
Später eroberte Russland Teile der nördlichen Schwarzmeerküste (1739 Festung Asow, 1769 Taygan, 1778 Gründung der Hafenstädte Kerson und 1794 Odessa, 1783 russische Eroberung der Krim), und es gab einen Freihandel mit diesen Gebieten, der besonders von den Griechen aus der Ägäis (damals unter osmanischer Herrschaft) betrieben wurde. Die Kapitäne der auslaufenden Schiffe mussten dafür bürgen, dass die gesamte Besatzung wieder zurückkehrte, da in der russischen Flotte ein großer Bedarf an qualifizierten (griechischen) Seeleuten bestand und sie sich bereits zu einem großen Teil aus griechischen Seeleuten aus dem osmanischen Herrschaftsbereich rekrutiert hatte. Der Kapitän musste in späteren Jahren sogar eine Bürgschaftsurkunde (Geldbürgschaft) seiner Heimatgemeinde vorlegen bzw. einen vermögenden Bürgen in Istanbul vorweisen. Die Fälle von (angeblich) unterwegs verstorbenen – und deshalb nicht mehr zurückkehrenden – Seeleuten wurden streng untersucht.
Dieser Status blieb bis 1774 erhalten, als der Friede von Küçük Kaynarca geschlossen wurde. Bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts hatte das Osmanische Reich allen Schiffen unter fremder Flagge, einschließlich der Handelsschiffe, auch dem kleinsten Boot, die Zufahrt zum Schwarzen Meer versagt. So blieb die Region unter totaler osmanischer Kontrolle. Nach 1774 durften russische Schiffe den Bosporus passieren und um 1800 auch die Schiffe anderer europäischer Staaten (1783 Österreich, 1802 Frankreich und Großbritannien). Den russischen Schiffen war jedoch der Transport bestimmter Güter durch den Bosporus untersagt. Insbesondere wollten die Osmanen verhindern, dass Getreide weitertransportiert wurde, da sie selber einen großen Bedarf dafür hatten.
Russischen Kriegsschiffen wurde jedoch die Durchfahrt durch den Bosporus streng verwehrt, auch als man versuchte, die Durchfahrt für russische Kriegsschiffe ohne Bewaffnung zu erbitten. Diese sollte als getrennte Ladung auf Handelsschiffen durch den Bosporus transportiert werden.
Das Verbot der Durchfahrt von russischen Kriegsschiffen wurde erstmals gelockert, als Russland dem Osmanischen Reich seine militärische Hilfe anlässlich Napoleons Ägyptenfeldzug (1798 bis 1801) anbot. Das Osmanische Reich gestattete russischen Kriegsschiffen für die Dauer des Krieges die Durchfahrt. Als der 7. russisch-türkische Krieg (1806 bis 1812) ausbrach, schlossen die Osmanen einen Beistandspakt mit Großbritannien (1809 in Kala-i Sultaniye) – für den Fall eines französischen Angriffs. Dabei wurde den britischen Kriegsschiffen das Recht gewährt, bis zum südlichen Eingang des Bosporus zu fahren.
Im Vertrag von Hünkâr İskelesi (1833) wurde russischen Schiffen ein Durchfahrtsrecht gewährt, und die osmanische Regierung verpflichtete sich, im Falle eines Krieges den Bosporus für Schiffe aller Länder zu schließen. Wegen des lautstarken Protestes von Großbritannien und Frankreich hielt dieser Vertrag aber nicht lange. Entsprechend dem Londoner Vertrag von 1841 musste der Bosporus in Friedenszeiten für alle Kriegsschiffe geschlossen bleiben – lediglich kleineren Kriegsschiffen verbündeter Nationen durfte die Durchfahrt gewährt werden – nach der Genehmigung durch einen speziellen Beauftragten. Somit wurde die Frage der Bosporusdurchfahrt eine Angelegenheit der Großmächte.
In den folgenden Krimkrieg (1853 bis 1856) traten Frankreich und Großbritannien auf der Seite des Osmanischen Reiches ein und schickten ihre Kriegsflotten in das Schwarze Meer.
Nach dem Krimkrieg (Dritter Pariser Frieden – 1856) hatte der Bosporus den Status einer internationalen Wasserstraße, blieb aber für Kriegsschiffe geschlossen. Dem Osmanischen Reich und Russland war das Unterhalten einer Kriegsflotte im Schwarzen Meer untersagt. Mit dem Londoner Vertrag von 1871 wurde Russland jedoch eine Kriegsflotte im Schwarzen Meer gestattet, und verbündeten Ländern wurde die Bosporusdurchfahrt von Kriegsschiffen während Friedenszeiten erlaubt. Dieser Status blieb bis zum Ersten Weltkrieg erhalten.
Im Vertrag von Edirne, der nach den griechischen Unruhen (1921), angestachelt von Großbritannien, Frankreich und Russland, geschlossen wurde, wurde den Handelsschiffen aller Länder die freie Durchfahrt durch den Bosporus gewährt.
Im Meerengenabkommen, das am 20. Juli 1936 in Montreux unterzeichnet wurde, wurden der Türkei die Hoheitsrechte für den Bosporus zuerkannt, die internationalen Durchfahrtsrechte geregelt und das Recht zur Sperrung der Meerenge durch die Türkei im Kriegsfall. Unterzeichnerstaaten waren die Türkei, Großbritannien, Frankreich, Japan, UdSSR, Bulgarien, Rumänien, Griechenland und Jugoslawien. Italien trat erst 1938 dem Abkommen bei.
„Die Küstenwerke des Bosporus, die diesen gegen einen aus dem Schwarzen Meere kommenden Feind verteidigen sollen, bestehen aus vier Gruppen.
Die nördlichste Gruppe reicht bis zur Vöjükbucht auf der europäischen und bis Fil-Burun auf der kleinasiatischen Seite und enthält auf der 3,5 km langen und 3 bis 1 km breiten Strecke auf rumelischer Seite 5 Küstenwerke und zwar das Fort Rumeli-Feneri-Kalesst nebst einer Batterie, die Batterie Tapas-Vurun, das Fort Gharibdsche, das hochliegende Fort Vöjük-Liman mit insgesamt 97 Geschützen, und auf anatolischen Seite drei, nämlich das moderne Fort Anadoli-Feneri-Kalessi, die Poirasbatterie und das moderne Fort Fil-Burun mit insgesamt 64 Geschützen.
Die zweite Befestigungsgruppe, mit den wichtigsten Werken, reicht bis zur Böjükderebai und deckt den nur 570–740 m breiten Fahrwasserabschnitt; hier stehen außer den alten halbverfallenen Genueserschlössern Numeli-Kawak und Anadoli-Kawak acht Werke mit mindestens 198, wahrscheinlich aber mehr Geschützen; unter diesen Werken sind besonders zu nennen auf europäischer Seite die neue Batterie von Numeli-Kawak mit 6 schweren gezogenen Geschützen, das Fort von Tali-Tabia mit 30 glatten Geschützen in sehr guter Aufstellung unmittelbar über dem Meeresspiegel, die Batterie von Dikili und das Fort Mezar-Vurun; auf asiatischer Seite das alte Fort Anadoli-Kawak mit 11 Kruppschen Geschützen von 15 bis 28 cm Kaliber, das neue Fort Iuscha, die alte Riesenburg, mit 8 Kruppschen Geschützen und das ganz moderne Fort Madschiar-Kalessi, das wichtigste Küstenwerk des ganzen B., mit 30 Kruppschen Kanonen von 15 bis 28 cm Kaliber, die in 8 m Höhe über dem Meeresspiegel stehen.
Im dritten Abschnitt zwischen Bo’zükdere und Therapia liegen das Fort Alti-Agatsch und die modernen Batterien von Therapia- und Kiridj-Burun, die mit weittragenden Geschützen den 4 km entfernten Pass Kawak enfilieren. Dieser Pass zwischen Rumeli- und Anadoli-Kawak ist die wichtigste Stelle der Verteidigung; er soll mit drei Minensperren im Kriege gesperrt werden.
Die innerste Verteidigungslinie, die vierte Gruppe der Küstenwerke, liegt in dem schmalen (nur 670 in breiten) Pass zwischen den aus dem 14. Jahrh, stammenden, der Neuzeit angepassten festen Schlössern Rumeli-Hissar und Anadoli-Hissar, deren jedes etwa 20 Geschütze führt, aber Platz für ungefähr die doppelte Zahl hat. Auch zwischen diesen Werken soll eine Minensperre gelegt werden, indessen ist hier der Strom ziemlick stark, 5 – 6 Seemeilen in der Stunde, wodurch die Minen, wenn sie trieben, leicht für Konstantinopel gefährlich werden konnten. Vom Fort Rumeli-Hissar führt ein unterseeisches Telegraphenkabel über den B. nach Kandillü. Im ganzen sollen in diesen Küstenbefestigungen des Bosporus nicht weniger als 534 Geschütze, und zwar 304 auf europäischer und 230 auf kleinasiatischer Seite, aufgestellt sein, darunter 40 schwere Kanonen von Krupp und 50 schwere Mörser. So gut wie unvorbereitet ist die Verteidigung des Bosporus nach dem Marmarameere hin; allerdings sind bei Konstantinopel drei Küstenbatterien, die mit 150 Geschützen bewaffnet werden könnten; es sind dies die Batterie vor dem Arsenal in Tophane mit 18 Kanonen und 6 Mörsern (hat Platz für 96 Geschütze), ferner die Batterie auf der nördlichen Höhe des Serailhügels, die für etwa 40 Geschütze bestimmt ist, und endlich auf asiatischer Seite in Ekutari eine Batterie in der Nähe des alten Leanderturms, für 9-14 Geschütze. Davon ist aber nur die Salutbatterie in Tophane -mit 6 Bronzekanonen- in gebrauchsfähigem Zustand.“
Der Bosporus ist Tag und Nacht für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet. Er ist einer der weltweit meistbefahrenen Seewege, da er die einzige Verbindung zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer ist. In den letzten 30 Jahren hat die Größe und Anzahl der durchfahrenden Schiffe durch diese schwierige, überfüllte und potentiell gefährliche Wasserstraße kontinuierlich zugenommen. Pro Jahr passieren 5.500 Tanker den Bosporus und transportieren dabei 2 Mio. Barrel Öl pro Tag.
Die Meeresströmung und Dunkelheit stellen die Hauptursache für Schiffsunfälle in dem engen S-förmigen Kanal dar, der eher einem Fluss als einer internationalen Wasserstraße ähnelt. Unfallschwerpunkte sind die beiden Stellen, an denen die Schiffe eine scharfe Kurve fahren müssen (80° bei Yeniköy, 70° bei Umuryeri) – in der 2 km langen, engsten Stelle des Bosporus. Insgesamt müssen die Schiffe bei der Passage des Bosporus zwölfmal den Kurs ändern. Am engsten Punkt (Kandilli, 700 m eng), muss der Kurs um 45° geändert werden; die Strömung kann hier 7 bis 8 Knoten betragen. Wegen der starken Kursänderungen in dem engen Gewässer ist der Blick auf die Fahrrinne versperrt und somit der entgegenkommende Schiffsverkehr nicht einzusehen. So ist bei dem kilometerlangen Bremsweg der heutigen großen Tanker ein vorausschauendes Fahren auf Sicht unmöglich.
Hinzu kommt ein reger Fährverkehr zwischen europäischer und asiatischer Seite der Millionenstadt Istanbul, der die Fahrrinne kreuzt.
Bei den meisten Unfällen haben die Schiffe ihre Manövrierfähigkeit verloren, während sie mit der Strömung fuhren und durch scharfe Kurven manövrieren mussten. Bei den Unfällen, die sich während der Nacht ereigneten, gab es im Durchschnitt doppelt so viele Opfer wie bei Unfällen am Tag. Von 1953 bis 2002 gab es 461 Schiffsunfälle im Bosporus, wobei es sich meistens um Kollisionen handelte. Seit der Einführung des Traffic Separation Scheme (TSS, dt: Betriebsverfahren zur Verkehrstrennung) 1994, das auch von der Internationale Seeschifffahrts-Organisation gebilligt wurde, sank die Anzahl der Schiffskollisionen sehr stark. Es gab danach nur noch 82 Zwischenfälle – meistens Strandung oder auf Grund laufen. Jedoch erfüllen nicht alle Schiffe die Kriterien zur TSS – wegen des Schiffstyps, ihrer Größe oder ihrer Manövrierfähigkeit. Das Traffic Separation Scheme definiert eine durch Koordinaten genau festgelegte Trennlinie (traffic separation line) zwischen dem nordwärts bzw. südwärts gerichteten Verkehr.
Die größte Ölpest ereignete sich 1994, als der griechisch-zypriotische Tanker Nassia auf dem Weg von Russland nach Italien mit 56.000 t Rohöl an Bord mit dem unbeladenen Frachter Shipbroker kollidierte – an der nördlichen Einfahrt in den Bosporus. Dabei kamen 30 Personen um; 20.000 t Rohöl liefen in den Bosporus, wo es fünf Tage lang brannte und entsprechende Umweltschäden hinterließ. Der Bosporus musste gesperrt werden. Es stauten sich über 200 Schiffe.
Als Konsequenz aus den Unfällen und um die Passage zu entlasten, brachte die türkische Regierung 2011 die Idee ins Spiel, bei Silivri den Istanbul-Kanal, mit 150 Metern Breite und etwa 50 Kilometern Länge, zu errichten
Die Verfahren für die Schiffspassage des Bosporus sind getrennt für die Durchfahrten nach Süden bzw. nach Norden in dem Vorschriftenwerk Bosphorus Passage Procedure geregelt (auf welchen Frequenzen und an welchen Positionen die Stationen Turkeli Control Station, Kavak Pilot, Bosphorus Pilot und Istanbul Control Station gerufen werden müssen und an welchen Stellen Positionsmeldungen abgesetzt werden müssen). Der Erstkontakt muss vom Schiff aus jeweils 30 NM vor der Einfahrt in den Bosporus aufgenommen werden – bei Annäherung aus Norden 30 NM vor dem Turkeli-Leuchtturm, bei Annäherung aus Süden 30 NM vor Haydarpasa Break Water. Die Genehmigung zur Durchfahrt muss über Funk vom Traffic Control Center (dt. Verkehrskontrollzentrum) eingeholt werden.
Segelschiffe mit einer Wasserverdrängung von über 500 t müssen spätestens 24 Stunden vor der Passage einen Segelplan abgeben.
Türkische Schiffe mit einer Länge von über 150 m sind angehalten, für die Durchfahrt des Bosporus einen Lotsen an Bord zu nehmen. Für den übrigen Transit-Schiffsverkehr besteht keine Lotsenpflicht, wird aber von den türkischen Behörden stark empfohlen. Schiffe mit Lotsen an Bord haben Vorrang bei der Einfahrt in den Bosporus.
Zwischen 17:30 Uhr und 7:30 (Nacht) Uhr wird nur einem Schiff mit einer Gesamtlänge über 250 m die Bosporusdurchfahrt genehmigt (in der Reihenfolge der Ankunft an der Bosporuseinfahrt). Tankern wird in dieser Zeit die Durchfahrt nur gestattet, wenn sie in Begleitung eines Schleppers fahren. Ansonsten müssen sie bis zum Anbruch des nächsten Tageslichtes warten.
Schiffen mit einer Gesamtlänge über 200 m bzw. einem Tiefgang über 15 m wird die Durchfahrt während des Tages empfohlen.
Für Schiffe mit gefährlichen Gütern ist die Durchfahrt an einigen Stellen gesperrt, solange sich gleichzeitig ein Schiff mit ähnlichen gefährlichen Gütern im Gegenverkehr befindet.
Bei Sichten unter 2 NM muss das Schiffsradar eingeschaltet sein. Bei Sichtweiten unter 1 NM dürfen Schiffe mit gefährlichen Gütern und große Schiffe nicht in den Bosporus einfahren. Bei Sichten unter 0,5 NM wird der Verkehr in beide Richtungen eingestellt.
Schiffe dürfen nicht am Schlepptau eines anderen Schiffes den Bosporus passieren, außer sie werden von einem Schlepper gezogen.
Die normale Geschwindigkeit darf 10 Knoten nicht übersteigen, außer wenn es zum Zwecke einer ausreichenden Steuerung erforderlich ist – nach vorheriger Genehmigung. Der Abstand zum vorausfahrenden Schiff darf 1600 yards nicht unterschreiten. Vor einer Verringerung der eigenen Geschwindigkeit sind die nachfolgenden Schiffe zu informieren.
Panoramablick auf den Bosporus vom Topkapı-Palast
Über den Bosporus führen zwei Hängebrücken, die Bosporus-Brücke (1973) und die Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke (1988). Die Hängebrücken verbinden Europa mit Asien. Beide sind mehrspurig für den Straßenverkehr ausgebaut und bei der Auffahrt Richtung asiatische Seite mautpflichtig. Im Oktober 2013 wurde ein Eisenbahntunnel unter dem Bosporus eröffnet, welcher die europäische mit der kleinasiatischen Seite Istanbuls verbindet. Das Projekt ist unter dem Namen Marmaray bekannt. Seit 2013 befindet sich mit der Yavuz-Sultan-Selim-Brücke am Nordausgang des Bosporus eine dritte Brücke offiziell in Bau.
1954 wurde auf der Höhe der Stadtteile Arnavutköy in Europa und Kandilli in Asien die erste Freileitung über den Bosporus mit einer 154-kV-Leitung gezogen.
1983 wurde eine weitere Freileitung für 420 kV über den Bosporus gezogen, der 1997 eine dritte Freileitungskreuzung für jeweils vier Drehstromkreise zu je 420 kV folgte. Vorausschauend sind die Masten dieser Freileitungsquerung schon für 800 kV ausgelegt. Da die Durchfahrtshöhe auf dem Bosporus 73 m beträgt, müssen die Masten dieser Freileitungskreuzung sehr hoch sein. Allerdings kommt die gebirgige Topografie dem Leitungsbau zugute. Die Masten der 1997 fertiggestellten Bosporuskreuzung ragen 160 m hoch.
Nach 90 Minuten ist der Ausflug beendet, wir machen noch einen kurzen Abstecher in das Stadtzentrum, zum Taksim Platz.
Der Taksim-Platz (türkisch Taksim Meydanı) ist ein zentraler Platz und Verkehrsknotenpunkt im europäischen Teil der türkischen Metropole Istanbul, gelegen im Stadtteil Beyoğlu.
Der Name des Platzes am höchsten Punkt Beyoğlus leitet sich vom arabischen ‏تقسيم‎ / taqsīm / ‚Teilung, Division‘ ab. Hier endete eine 1731 erbaute von Norden kommende 23 km lange Fernwasserleitung, an deren Ende 1732 im Auftrag Sultan Mahmud I. eine Wasserverteilanlage (taksim) errichtet wurde. Diese gab das Wasser an verschiedene Wasserleitungen ab, die es weiter in die Stadtteile Kasımpaşa, Galata, Beyoğlu, Fındıklı und Beşiktaş führten. Im Zuge verschiedener Expansionsphasen der Stadt wurde diese Fernwasserleitung bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts erweitert. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts waren im Distrikt Beyoğlu von geschätzten 10.000 Häusern lediglich 80 an dieses Leitungssystem angeschlossen; wie die meisten bereits vor dem 19. Jahrhundert angelegten Wasserversorgungssysteme versorgte auch die „Taksimleitung“ hauptsächlich öffentliche Brunnen, aus denen die große Mehrzahl der Einwohner ihr Wasser entnahm. Eine Ausnahme bildeten die in der Nähe des Taksim-Platzes gelegenen Paläste. Direkten Anschluss hatte beispielsweise der Yıldız-Palast, der um 1900 etwa ein Drittel des Wassers dieses Leitungssystems verbrauchte. Nachdem in den 1880er Jahren moderne Wasserwerke errichtet wurden, die die Häuser rund um den Taksim-Platz und das Viertel Beyoğlu versorgten, verlor der Wasserverteiler auf dem Taksim-Platz nach und nach seine Bedeutung. Um 1950 wurde die Wasserverteilanlage auf dem heutigen Taksim-Platz samt Leitungssystem eingestellt. Die sie speisenden Stauseen im Belgrader Wald dienen dagegen teilweise immer noch der Wasserbeschaffung.
Von der Wasserverteilanlage zeugt noch heute ein als flacher, langer Bau erkennbares Wasserreservoir am westlichen Rand des Platzes, an dessen südlichem Ende sich ein achteckiges Gebäude befindet – das eigentliche taksim.
Der Taksim-Platz ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt Istanbuls. Von hier aus führen mehrere verkehrsreiche Straßen in alle Richtungen, darunter die Tarlabaşı-Allee (Tarlabaşı Bulvarı) nach Fatih, die Straße der Republik (Cumhuriyet Caddesi) zum nördlichen Stadtteil Şişli, die İnönü-Straße (İnönü Caddesi) in Richtung Beşiktaş und die Straße der Unabhängigkeit (İstiklal Caddesi) hinab zum Tünel-Platz. Die letztgenannte, früher auch als Grande rue de Pera bekannte Straße ist seit Anfang der 1990er eine nur schwach befahrene Fußgängerzone.
Der Platz ist Ausgangs- oder Haltepunkt verschiedener Buslinien und war bis 2009 die südliche Endhaltestelle der Istanbuler Metro, die ins nördlich liegende Bankenviertel Levent führt. Außerdem befindet sich hier seit Juni 2006 die Bergstation der unterirdisch verlaufenden Standseilbahn Kabataş—Taksim, die eine Verbindung zu den Bosporusfähren und der am Bosporusufer verlaufenden Straßenbahn herstellt.
Eher touristisch bedeutsam ist die historische Straßenbahn (Nostaljik Tramvay), die entlang der Straße der Unabhängigkeit verläuft und auf dem Taksim-Platz eine Wendeschleife hat.
Monumente, Parks und Bauwerke
In der Mitte der westlichen Hälfte des Platzes steht das 1928 errichtete „Denkmal der Republik“ (türkisch Cumhuriyet Anıtı), das an die Gründung der Republik Türkei im Jahre 1923 erinnern soll.
Im Norden schließt sich an den Platz der Gezi-Park an, ein Stadtpark mit Bäumen, die etwa 70 Jahre alt sind. Es ist der letzte größere Platz in der Innenstadt, auf dem Bäume stehen.
Auf dem Gelände des Parkes und dem benachbarten Areal namens Talimhane, rechts und links der Straße der Republik gelegen, befand sich früher eine Artillerie-Kaserne der osmanischen Elitetruppe der Janitscharen. Sie wurde im Zuge der Gefechte während der Einnahme Istanbuls durch mazedonische Truppen unter dem Kommando der Jungtürken am 24. April 1909 beschädigt und später verkauft. Auf dem Gelände östlich der Straße der Republik wurde das Taksim-Stadion (Taksim Stadyumu) errichtet, das im Jahre 1940 abgerissen wurde, damit an derselben Stelle der heutige Park eingerichtet werden konnte. Bis 2002 gab es umstrittene Pläne, auf dem Parkgelände eine Moschee zu errichten. Das Talimhanegelände wurde nach dem Zweiten Weltkrieg mit Geschäftshäusern und Hotels bebaut.
Ab 1551 befand sich hier der armenische Pangaltı-Friedhof. Nach dessen Abriss 1930 wurden die Hotels Divan, Hilton, Hyatt sowie das TRT-Gebäude errichtet. Im Jahre 1919 errichtete man zum 4. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern das Taksim-Völkermordmahnmal, welches jedoch im Jahre 1922 unter bislang ungeklärten Umständen verschwand. Südlich des Platzes steht das Hochhaus des Marmara-Hotels. Das 26 Etagen und 96 Meter hohe Gebäude wurde 1969 fertiggestellt.
Am östlichen Ende des Taksim-Platzes liegt das Atatürk-Kulturzentrum (Atatürk Kültür Merkezi, kurz AKM). In dem Mehrzweckveranstaltungszentrum mit mehreren Bühnen finden unter anderem Opern- und Ballettaufführungen statt. Das Gebäude ersetzt einen älteren Bau, der am 27. November 1970 niederbrannte.
Das Denkmal der Republik ist der zentrale Ort für Kranzniederlegungen an staatlichen Feiertagen. Der Platz selbst ist der traditionelle, aber lange Zeit Demonstrationsort türkischer Gewerkschaften, linker Parteien und Jugendbewegungen Istanbuls. So war der Taksim-Platz die Bühne für die studentischen Demonstrationen gegen einen Besuch der Sechsten Flotte der USA am 16. Februar 1969, der als Blutiger Sonntag in der Erinnerung blieb. In Istanbul waren Studenten, Gewerkschaften und andere linke Oppositionskräfte zusammengekommen, um unter dem Motto „Gegen Imperialismus und Ausbeutung“ zu demonstrieren.[10] Die Kundgebung endete am Taksim-Platz, hier wurden die Demonstranten von bis 500 Angreifern, denen die Polizei Zutritt zum Taksim-Platz verschaffte, mit Messern, Ketten und Knüppeln angegriffen. Unter den Augen der Polizei wurden zwei Menschen getötet und mehr als hundert verletzt.
Zum wohl blutigsten Ereignis der jüngeren Geschichte des Platzes kam es beim Taksim-Massaker 1977, als Teilnehmer einer Gewerkschaftskundgebung zum Ersten Mai von Unbekannten von den Dächern des Intercontinental Hotels (heute das Marmara Istanbul) und vom Gebäude der Wasserbehörde aus beschossen wurden. Gepanzerte Fahrzeuge, Lärmbomben und Schüsse aus automatischen Waffen verwandelten das Gelände in ein Schlachtfeld. Es starben mindestens 34 Menschen, Hunderte wurden verletzt und 453 festgenommen.[14][5] Das Massaker vom 1. Mai 1977 ist nach wie vor unaufgeklärt. Danach war der Taksim für Maikundgebungen für drei Jahrzehnte geschlossen, und der 1. Mai wurde nicht als offizieller Feiertag anerkannt. Nach dem Putsch vom 12. September 1980 waren Maifeierlichkeiten acht Jahre lang in der ganzen Türkei verboten.
Am 31. Oktober 2010 ereignete sich während einer Demonstration ein Selbstmordattentat mit mindestens 32 Verletzten.
Ende des Jahres 2012 war der Taksim-Platz wegen Bauarbeiten gesperrt worden. Im April 2013 kam es zu massiven Protesten gegen den Abriss des als Weltkulturerbe qualifizierten Emek-Kinos und gegen eine Politik der Stadterneuerung, die bevorzugt Baudenkmale des Kemalismus und der Verwestlichung aufs Korn zu nehmen scheint  Ihre Fortsetzung fanden diese Ereignisse in der Kontroverse um den Gezi-Park, dessen Bäume die Stadtverwaltung Istanbul zu fällen plant, um dort ein Einkaufszentrum errichten. Es soll die nachempfundene Fassade der ehemaligen Topcu-Kaserne haben, die dort bis 1940 stand.
Zum 1. Mai 2013 kam es zu Zusammenstößen zwischen den Demonstranten, die zum Taksim-Platz vordringen wollten, und der Polizei, mit 16 Verletzten. Am 27. Mai 2013 begannen am Taksim-Platz Demonstrationen gegen diese Pläne bzw. gegen das Fällen der Bäume. Am frühen Morgen des 31. Mai 2013 (Freitag) riegelten türkische Polizeieinheiten den Platz ab; sie zündeten Zelte kampierender bzw. schlafender Demonstranten an und attackierten sie mit Tränengas und Pfefferspray.
Die Demonstrationen griffen auch auf andere Städte über; viele Menschen äußern sich unzufrieden über die Politik des seit zehn Jahren regierenden Ministerpräsidenten Recep Erdoğan, der auch Vorsitzender der Regierungspartei Adalet ve Kalkınma Partisi (AKP) ist.

Montag, 31.März 2014

reisebericht-istanbul-weltreisen-07

Der letzte Tag ist angebrochen, wir besuchen den Stadtteil Eyüp mit der Eyüp Sultan Moschee und den Friedhof.
Die Eyüp-Sultan-Moschee (türkisch Eyüp Sultan Camii) befindet sich im Istanbuler Stadtteil Eyüp am nördlichen Ende des Goldenen Horns.
Die erste Moschee an diesem Ort wurde von Sultan Mehmed II. fünf Jahre nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1458 in Auftrag gegeben. Den im Hof befindlichen Şadırvan (Reinigungsbrunnen) ließ Großwesir İbrahim Pascha bauen. Da die Minarette nicht hoch genug waren, um die Mahyâ (traditionelle Beleuchtung im Ramadan) anzubringen, ließ Sultan Ahmed III. sie im Jahr 1723 einreißen und höhere bauen. Die Moschee wurde während des Erdbebens im Jahr 1766 schwer beschädigt. Daraufhin ließ Sultan Selim III. im Jahr 1798 die Moschee niederreißen, bis auf die Minarette, um eine neue Moschee zu bauen. Am 24. Oktober 1800 wurde die neue Moschee eröffnet. Uzun Hüseyin Ağa war der leitende Architekt der neuen Moschee.
Das Grab Abu Ayyub al-Ansaris, eines Gefährten Mohammeds und dessen Fahnenträger, der vor den Mauern Konstantinopels während der ersten erfolglosen Belagerung der Stadt durch die Muslime fiel, soll einer Legende zufolge kurz nach der osmanischen Eroberung wiedergefunden worden sein. Diese Grabstelle befindet sich heute in der Eyüp-Sultan-Moschee knapp außerhalb der antiken Stadtmauer und ist ein beliebtes Touristenziel vieler Muslime.
Entlang des Friedhofes steigen wir auf einen Aussichtspunkt hinauf und genießen einen letzten Blick auf das goldene Horn. Achmet, unser Reiseführer spendiert Gebäck und Tee.
Noch einen Pflichttermin gibt es: Den Besuch einer Lederfabrik. Uns werden interessante Kleidungsstücke vorgeführt und einige unserer Mitreisenden dürfen sich selbst auf dem Laufsteg ausprobieren…
5 kurzweilige Tage nehmen ein Ende.
Danke, Achmet, für die gute und engagierte Führung. Alles Gute!

Dieser Bericht wurde uns mit freundlicher Genehmigung von Peter Janz, Wittenberge zur Verfügung gestellt.
Die Bildrechte in diesem Bericht liegen ebenfalls beim Autor. Der Autor verwendet Auszüge u.a. von Wikipedia.

Fragen, Anregungen oder ein nettes "gute Reise"?

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